HIV & AIDS verstehen
Was ist HIV – was ist AIDS?
HIV ist ein Virus, AIDS ist ein Krankheitsbild. HIV steht für »Human Immunodeficiency Virus«, also menschliches Immunschwächevirus. AIDS ist die Abkürzung für »Acquired Immune Deficiency Syndrome«, eine erworbene Abwehrschwäche des Körpers, die entstehen kann, wenn eine HIV-Infektion über Jahre unbehandelt bleibt. Wer heute in Deutschland eine HIV-Diagnose erhält und behandelt wird, entwickelt in aller Regel niemals AIDS.
Wofür stehen die Abkürzungen genau?
HIV bezeichnet den Erreger, AIDS das mögliche Spätstadium der unbehandelten Infektion.
- HIV (Human Immunodeficiency Virus): das Virus selbst. Es befällt bestimmte Zellen der körpereigenen Abwehr und vermehrt sich in ihnen.
- HIV-Infektion: der Zustand, in dem das Virus im Körper vorhanden ist. Das kann über viele Jahre völlig symptomfrei verlaufen.
- AIDS: die Sammelbezeichnung für ein Bündel von Erkrankungen, die auftreten, wenn das Immunsystem so weit geschwächt ist, dass es sich gegen bestimmte Erreger nicht mehr wehren kann.
Umgangssprachlich werden die Begriffe oft vermischt. Medizinisch ist die Trennung wichtig, weil sie zwei sehr unterschiedliche Situationen beschreibt. Ausführlicher wird das im Beitrag zum Unterschied zwischen HIV und AIDS erklärt.
Warum bedeutet HIV-positiv nicht AIDS-krank?
Weil zwischen Infektion und möglicher Erkrankung sehr viel Zeit und heute vor allem eine wirksame Behandlung liegt.
HIV-positiv bedeutet zunächst nur: Das Virus ist nachweisbar. Die betroffene Person kann sich vollkommen gesund fühlen und ist es in vielen Fällen auch. Ohne Behandlung schwächt das Virus das Immunsystem über Jahre hinweg langsam, und erst am Ende dieses Prozesses steht das Krankheitsbild AIDS.
Mit einer modernen antiretroviralen Therapie wird dieser Verlauf unterbrochen. Die Vermehrung des Virus wird so weit gestoppt, dass sich das Immunsystem erholt und stabil bleibt. Was hinter den Behandlungsformen steckt, erklärt der Beitrag zu ART und HAART.
Was macht das Virus im Körper?
HIV befällt vor allem die CD4-Zellen, auch T-Helferzellen genannt, und nutzt sie zur eigenen Vermehrung.
Diese Zellen sind so etwas wie die Koordinatoren der Immunabwehr. Sie erkennen Krankheitserreger und steuern die Reaktion anderer Abwehrzellen. Wenn ihre Zahl sinkt, verliert das Immunsystem seine Organisation. Krankheitserreger, mit denen ein gesunder Körper problemlos fertig wird, können dann schwere Verläufe auslösen. Solche Erkrankungen heißen opportunistische Infektionen.
Wie dieser Prozess im Detail abläuft, beschreiben die Beiträge Was macht HIV in meinem Körper? und HIV und das Immunsystem.
Wie wird HIV übertragen und wie nicht?
Eine Übertragung setzt voraus, dass ausreichend virushaltige Körperflüssigkeit an eine Eintrittsstelle im Körper gelangt.
Relevante Übertragungswege sind:
- ungeschützter Geschlechtsverkehr, insbesondere Analverkehr und Vaginalverkehr
- gemeinsam benutztes Spritzbesteck beim Spritzen von Drogen
- Übertragung durch Blut oder Blutprodukte, siehe Blutübertragung
- Übertragung von einer HIV-positiven Mutter auf das Kind während Schwangerschaft, Geburt und beim Stillen
Im Alltag besteht dagegen kein Risiko. Händeschütteln, Umarmen, gemeinsames Geschirr, Toiletten, Schwimmbäder oder Küssen übertragen HIV nicht. Eine Übersicht dazu bietet die Seite Kein HIV-Risiko.
Entscheidend ist außerdem: Wer HIV-positiv ist, wirksam behandelt wird und dessen Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt, kann HIV sexuell nicht weitergeben. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlicher Konsens und wird unter n = n: nicht nachweisbar ist nicht übertragbar ausführlich erklärt.
Wann lässt sich eine Infektion sicher feststellen?
Sicherheit gibt nur ein Test, und der braucht einen zeitlichen Abstand zum Risiko.
Moderne Labortests der 4. Generation weisen sowohl Antikörper als auch Virusbestandteile nach. Ein negatives Ergebnis sechs Wochen nach dem letzten Risikokontakt schließt eine Infektion aus. Selbsttests für zu Hause arbeiten anders und brauchen einen größeren Abstand: Hier gilt eine Wartezeit von zwölf Wochen. Warum diese Fristen bestehen, erklärt der Beitrag zum diagnostischen Fenster.
Wichtig ist zu wissen, dass eine frische Infektion sehr früh übertragbar ist, lange bevor ein Antikörpertest anschlägt. In den ersten Wochen ist die Viruslast besonders hoch.
Wo ein Test möglich ist, zeigt die Seite Wo HIV-Test machen.
Welche Symptome sind typisch?
Verlässliche Frühsymptome gibt es nicht. Die meisten Menschen bemerken eine frische Infektion gar nicht.
Manche entwickeln einige Wochen nach der Ansteckung grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Halsschmerzen, Ausschlag oder geschwollenen Lymphknoten. Diese Anzeichen sind völlig unspezifisch und treten bei zahlreichen harmlosen Infekten genauso auf. Umgekehrt bleibt bei vielen Menschen jedes Anzeichen aus. Aus Symptomen lässt sich deshalb weder ein Risiko ableiten noch eines ausschließen. Mehr dazu unter Symptome der Infektion.
Was ist nach einem konkreten Risiko zu tun?
Nach einem möglichen Risikokontakt kann eine Notfallbehandlung eine Infektion verhindern, aber nur, wenn sie sehr schnell beginnt.
Die sogenannte PEP (Postexpositionsprophylaxe) sollte möglichst innerhalb weniger Stunden starten. Als Regelgrenze gelten 48 Stunden, in Ausnahmefällen ist ein Beginn bis 72 Stunden nach dem Ereignis möglich. Je früher, desto besser. Was dabei zu beachten ist, steht unter PEP als Sofortmaßnahme.
Wer sein Risiko dauerhaft senken möchte, findet Informationen zu Kondomen unter geschützter Geschlechtsverkehr und zur medikamentösen Vorbeugung unter PrEP.
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