HIV & AIDS verstehen

Was macht HIV in meinem Körper?

HIV befällt bestimmte Zellen der körpereigenen Abwehr, vor allem die CD4-Zellen, und nutzt sie, um sich zu vermehren. Dabei gehen diese Zellen nach und nach verloren. Ohne Behandlung schwächt das über Jahre hinweg die Immunabwehr. Mit einer wirksamen Therapie wird die Virusvermehrung gestoppt und das Immunsystem erholt sich in aller Regel wieder.

Wie kommt das Virus in die Zelle?

Das Virus dockt an Oberflächenstrukturen bestimmter Immunzellen an und verschmilzt mit deren Hülle.

Auf der Oberfläche von HIV sitzen Eiweiße, die genau zu Strukturen auf CD4-Zellen passen. Man kann sich das wie Schlüssel und Schloss vorstellen. Nach dem Andocken verschmelzen Virushülle und Zellmembran, und das Erbgut des Virus gelangt ins Zellinnere.

Dort wird es umgeschrieben und fest in das Erbgut der Zelle eingebaut. Ab diesem Punkt trägt die Zelle die Bauanleitung für neue Viren in sich. Warum das so abläuft und was daran besonders ist, erklärt der Beitrag Was ist ein Retrovirus?.

Welche Zellen sind betroffen?

Im Zentrum stehen die CD4-Zellen, auch T-Helferzellen genannt.

Diese Zellen sind die Koordinatoren der Immunabwehr. Sie erkennen Krankheitserreger und geben anderen Abwehrzellen das Signal, aktiv zu werden. Fällt ihre Zahl, bleibt die Abwehr unkoordiniert, selbst wenn die übrigen Zelltypen vorhanden sind.

Betroffen sind außerdem weitere Zellen des Abwehrsystems, unter anderem in den Lymphknoten und in der Schleimhaut des Darms. Gerade dort geht schon früh im Verlauf ein erheblicher Teil der Abwehrzellen verloren, oft lange bevor sich das im Blutbild deutlich zeigt. Ausführlicher beschreibt das der Beitrag HIV und das Immunsystem.

Was passiert in den ersten Wochen?

In der Frühphase vermehrt sich das Virus sehr stark, und die Viruslast im Blut ist besonders hoch.

Diese Phase ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen ist die Ansteckungsfähigkeit in dieser Zeit deutlich erhöht. Zum anderen bemerken viele Menschen davon nichts. Manche entwickeln nach einigen Wochen grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Halsschmerzen, Hautausschlag oder geschwollenen Lymphknoten. Diese Zeichen sind unspezifisch und lassen keinen Rückschluss zu. Andere haben überhaupt keine Beschwerden.

Aus diesem Grund taugen Symptome nicht zur Einschätzung. Was dazu bekannt ist, steht unter Symptome der Infektion.

Anschließend fängt das Immunsystem die Vermehrung teilweise ab. Die Viruslast sinkt auf ein niedrigeres Niveau, und es beginnt eine oft jahrelange, meist beschwerdefreie Phase.

Was geschieht ohne Behandlung über die Jahre?

Die Zahl der CD4-Zellen sinkt langsam, und das Immunsystem verliert schrittweise seine Leistungsfähigkeit.

Der Verlauf ist typischerweise schleichend und lässt sich in Stufen beschreiben:

  • eine lange Phase ohne Beschwerden, in der das Virus sich dennoch weiter vermehrt
  • erste unspezifische Zeichen wie wiederkehrende Pilzinfektionen im Mund, anhaltende Lymphknotenschwellungen, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust
  • eine Phase, in der Erreger gefährlich werden, mit denen ein gesundes Immunsystem mühelos fertig wird
  • das Krankheitsbild AIDS, wenn schwere sogenannte opportunistische Erkrankungen auftreten

Wie schnell das voranschreitet, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und nicht vorhersagbar. Den Zusammenhang zwischen Infektion und Krankheitsbild erklärt der Beitrag zum Unterschied zwischen HIV und AIDS.

Neben der Immunschwäche spielt eine dauerhafte Entzündungsreaktion eine Rolle, die den Körper über Jahre belastet. Auch das ist ein Grund, warum heute früh mit der Behandlung begonnen wird.

Was ändert eine Therapie daran?

Die antiretrovirale Therapie unterbricht den Vermehrungszyklus, sodass sich das Immunsystem erholen kann.

Kombinierte Wirkstoffe blockieren mehrere Schritte gleichzeitig: den Eintritt in die Zelle, das Umschreiben des Erbguts, den Einbau ins Genom und den Zusammenbau neuer Viruspartikel. Innerhalb weniger Monate sinkt die Viruslast im Blut in aller Regel unter die Nachweisgrenze. Die Zahl der CD4-Zellen steigt wieder an.

Die Behandlung besteht meist aus einer Tablette täglich, in manchen Fällen aus Depotspritzen in längeren Abständen. Wichtig ist die zuverlässige Einnahme, weil Lücken die Bildung unempfindlicher Virusvarianten begünstigen. Mehr dazu unter Was sind ART und HAART?, Medikament gegen HIV/AIDS und Wann mit einer HIV-Therapie beginnen?.

Das Virus verschwindet dabei nicht vollständig aus dem Körper. Es überdauert in ruhenden Zellen, weshalb die Therapie dauerhaft fortgeführt wird.

Bin ich unter Behandlung noch ansteckend?

Sexuell nicht, sofern die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt.

Das ist einer der wichtigsten Punkte im heutigen Umgang mit HIV und wissenschaftlicher Konsens. Ausführlich dargestellt ist er im Beitrag n = n: nicht nachweisbar ist nicht übertragbar.

Wann bringt ein Test Klarheit?

Nur ein Test kann eine Infektion feststellen, und dafür ist ein zeitlicher Abstand zum Risiko nötig.

Ein Labortest der 4. Generation schließt eine Infektion sechs Wochen nach dem letzten Risikokontakt aus, ein Selbsttest für zu Hause nach zwölf Wochen. Warum diese Fristen gelten, erklärt der Beitrag zum diagnostischen Fenster. Anlaufstellen zeigt Wo HIV-Test machen.

Liegt ein konkretes Risiko erst wenige Stunden zurück, ist eine PEP zu prüfen. Sie sollte möglichst innerhalb weniger Stunden beginnen, als Regelgrenze gelten 48 Stunden, in Ausnahmefällen bis 72 Stunden.

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