HIV-Test
Wo kann ich einen HIV-Test machen?
Einen HIV-Test bekommen Sie in Deutschland an mehreren Stellen: in der Hausarztpraxis, in HIV-Schwerpunktpraxen, beim Gesundheitsamt, in Beratungsstellen der Aidshilfen, in sogenannten Checkpoints, über ärztlich beauftragte Labore und als Selbsttest aus der Apotheke. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie wichtig Ihnen Anonymität, Geschwindigkeit und Beratung sind.
Wichtig vorweg: Die Wege unterscheiden sich in Ablauf und Rahmen, nicht in der Qualität der eingesetzten Labortests. Konkrete Adressen, Sprechzeiten und Preise nennen wir hier bewusst nicht, weil sie sich örtlich stark unterscheiden. Aktuelle Verzeichnisse führen das Gesundheitsamt Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises sowie die Deutsche Aidshilfe.
Welcher Weg passt zu meiner Situation?
| Anlaufstelle | Anonym möglich | Beratung | Typisches Verfahren |
|---|---|---|---|
| Hausarztpraxis | nein | knapp | Labortest 4. Generation |
| HIV-Schwerpunktpraxis | nein | ausführlich | Labortest, oft weitere Diagnostik |
| Gesundheitsamt | in der Regel ja | ja | Labortest oder Schnelltest |
| Aidshilfe-Beratungsstelle | in der Regel ja | ausführlich | meist Schnelltest |
| Checkpoint | in der Regel ja | ausführlich | Schnelltest, oft weitere STI-Tests |
| Apotheke (Selbsttest) | ja | keine | Antikörper-Selbsttest für zu Hause |
Was spricht für die Hausarztpraxis?
Die Hausarztpraxis ist der unkomplizierteste Weg, wenn Anonymität für Sie keine Rolle spielt. Sie kennen die Praxis, die Blutabnahme dauert wenige Minuten, und die Probe geht an ein Labor, das den Test der 4. Generation durchführt.
Zu den Kosten: Besteht ein medizinischer Anlass, etwa Beschwerden, eine Schwangerschaft oder ein konkreter Risikokontakt, wird der Test in der Regel über die Krankenkasse abgerechnet. Wünschen Sie den Test ohne medizinischen Anlass aus eigenem Antrieb, ist er meist eine Selbstzahlerleistung. Fragen Sie in der Praxis nach, bevor die Blutabnahme läuft, dann gibt es keine Überraschungen.
Ein Punkt, der oft Sorge macht: Ein HIV-Test in der Praxis unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Das Ergebnis geht weder an Arbeitgeber noch an Behörden. Bei Abrechnung über die Kasse erfährt diese allerdings, dass eine Leistung erbracht wurde. Wer auch das vermeiden möchte, wählt einen anonymen Weg oder zahlt selbst.
Wann ist eine HIV-Schwerpunktpraxis sinnvoll?
Eine HIV-Schwerpunktpraxis ist auf die Behandlung und Diagnostik von HIV spezialisiert und die richtige Adresse, wenn die Lage komplizierter ist. Das gilt etwa nach einem konkreten Risikokontakt mit einer Person, deren Status unklar ist, bei wiederholten Tests im Rahmen einer PrEP oder wenn ein Ergebnis abgeklärt werden muss.
Auch für die Frage nach einer PEP als Sofortmaßnahme sind Schwerpunktpraxen und Infektionsambulanzen die passenden Stellen. Diese Notfallbehandlung eilt: Sie muss so früh wie möglich nach dem Kontakt begonnen werden, siehe Ich hatte ein Risiko, was soll ich jetzt tun?. Warten Sie in diesem Fall nicht auf einen regulären Termin, sondern melden Sie sich sofort, notfalls in einer Klinikambulanz.
Wie läuft der Test beim Gesundheitsamt?
Gesundheitsämter bieten HIV-Tests in der Regel anonym an, also ohne dass Sie Ihren Namen nennen müssen. Sie erhalten eine Nummer oder ein Kennwort und bekommen das Ergebnis darüber zurück. Das Angebot ist häufig kostenlos oder gegen einen geringen Beitrag zu haben, und die Beratung gehört meist dazu.
Umfang und Zeiten unterscheiden sich von Ort zu Ort erheblich. Manche Ämter testen an festen Sprechtagen, andere nach Terminvereinbarung, manche bieten zusätzlich Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen an. Erkundigen Sie sich vorab beim Gesundheitsamt Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises nach dem aktuellen Angebot.
Was machen Aidshilfen und Checkpoints anders?
Beratungsstellen der Aidshilfen und Checkpoints arbeiten niedrigschwellig und ohne Bewertung. Hier steht das Gespräch gleichberechtigt neben dem Test: Vor der Untersuchung wird geklärt, ob überhaupt ein relevantes Risiko bestand, und nach dem Ergebnis nimmt sich jemand Zeit für Sie.
Meist kommen Schnelltests zum Einsatz, bei denen ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe genügt und das Ergebnis nach kurzer Zeit vorliegt. Beachten Sie, dass reine Antikörper-Schnelltests erst 12 Wochen nach dem Risikokontakt aussagekräftig sind, siehe Das diagnostische Fenster. Viele Stellen bieten daher zusätzlich einen Labortest an.
Diese Angebote sind in aller Regel anonym und oft kostenlos oder gegen eine Kostenbeteiligung nutzbar. Eine Übersicht der Anlaufstellen finden Sie unter Beratungsstellen; Verzeichnisse führen außerdem die Deutsche Aidshilfe und die örtlichen Gesundheitsämter.
Kann ich direkt zu einem Labor gehen?
In der Regel nicht ohne ärztliche Beauftragung. Medizinische Labore arbeiten üblicherweise im Auftrag einer Praxis oder einer Einrichtung, die die Probe einsendet und das Ergebnis mit Ihnen bespricht. Manche Anbieter organisieren diesen ärztlichen Rahmen mit, sodass Sie zur Blutabnahme kommen und den Befund später erhalten.
Solche Angebote sind Selbstzahlerleistungen und in der Sache dasselbe wie der Test über eine Praxis, siehe Wie funktioniert der HIV-Antikörpertest?. Achten Sie darauf, dass ein Test der 4. Generation eingesetzt wird und dass jemand für die Ergebnisbesprechung zuständig ist.
Und der Selbsttest aus der Apotheke?
HIV-Selbsttests für zu Hause sind in Deutschland frei erhältlich und die anonymste Variante überhaupt: kein Termin, kein Gespräch, keine Aufzeichnung. Sie weisen allerdings nur Antikörper nach und sind erst 12 Wochen nach dem letzten Risikokontakt aussagekräftig.
Achten Sie auf die CE-Kennzeichnung und halten Sie sich exakt an die Packungsbeilage. Was der Selbsttest leisten kann und was nicht, ist unter Heimtest ausführlich beschrieben.
Was passiert, wenn ein Test anschlägt?
Jeder dieser Wege liefert zunächst nur einen Suchtest, und ein reaktiver Suchtest ist noch keine Diagnose. Es folgt immer ein andersartiger Bestätigungstest aus einer neuen Blutprobe. Auch das Gesundheitsamt, die Beratungsstelle oder die Praxis, bei der Sie getestet haben, wird Sie dabei begleiten, siehe Testergebnis: reaktiv.
Sollte sich eine Infektion bestätigen, ist sie heute gut behandelbar, und die weiteren Schritte sind unter Positiv, was kann ich tun? und Behandlung zusammengestellt.
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