Ansteckungsrisiken

Blutübertragung

Blut kann HIV übertragen, denn es enthält die höchste Viruskonzentration aller Körperflüssigkeiten. Im medizinischen Alltag in Deutschland ist das Risiko durch Testung und Hygienestandards jedoch außerordentlich klein geworden. Relevant bleiben vor allem Situationen, in denen Blut ungeprüft und direkt von Mensch zu Mensch gelangt.

Wie sicher sind Blutkonserven in Deutschland?

Sehr sicher. Seit Herbst 1985 wird jede Blutspende auf HIV untersucht, zusätzlich werden alle Konserven mit einem PCR-Test direkt auf Virusbestandteile geprüft. Das Restrisiko einer HIV-Übertragung durch eine Bluttransfusion wird in Deutschland im Bereich von etwa einer zu einer Million bis einer zu drei Millionen angegeben.

Dieses kleine Restrisiko existiert, weil es eine Phase kurz nach einer frischen Infektion gibt, in der noch keine Antikörper gebildet wurden. Der PCR-Test verkürzt diese Lücke erheblich, schließt sie aber nicht vollständig. Näheres zu diesem Prinzip erklärt der Artikel zum diagnostischen Fenster.

Kann man das Risiko bei einer Operation weiter senken?

Ja, bei planbaren Eingriffen durch eine Eigenblutspende. Dabei wird Ihnen einige Wochen vor der Operation eigenes Blut abgenommen und eingelagert, das beim Eingriff zur Verfügung steht. Sprechen Sie das bei einer geplanten Operation ruhig aktiv an, auch wenn das Restrisiko ohnehin sehr klein ist.

Bei Blutprodukten wie Albumin und Gammaglobulin ist die Gefahr praktisch gleich Null, weil der Herstellungsprozess die Präparate zugleich sterilisiert. Die für Menschen mit Hämophilie notwendigen Gerinnungspräparate beinhalten heute ebenfalls kein HIV-Risiko mehr. Die schweren Infektionsfälle in dieser Gruppe stammen aus der Zeit vor Einführung der Tests und Inaktivierungsverfahren.

Wie riskant sind Nadelstichverletzungen?

Das Risiko ist auch hier gering, aber nicht Null, und es ist die Situation, in der Blut am ehesten unkontrolliert übertragen wird. Betroffen sind vor allem Beschäftigte in Pflege, Medizin, Laboren und Rettungsdiensten. Entscheidend sind Art und Tiefe der Verletzung, die Menge des Blutes und die Frage, ob die Quellperson behandelt wird.

Nach einer Nadelstichverletzung gilt ein festes Vorgehen: Blutfluss zulassen oder anregen, die Stelle intensiv mit einem antiseptischen Mittel spülen, den Vorfall als Arbeitsunfall dokumentieren und unverzüglich den Betriebs- oder D-Arzt aufsuchen. Warten Sie damit nicht bis zum nächsten Tag, weil eine PEP so früh wie möglich begonnen werden muss. Die einzelnen Schritte beschreibt der Artikel Sofortmaßnahmen bei Nadelstichverletzungen.

Herumliegende Spritzen auf Spielplätzen oder in Parks sind ein häufiges Sorgenthema. Das Risiko ist dabei sehr gering, weil HIV außerhalb des Körpers in eingetrocknetem Blut rasch seine Infektiosität verliert. Ärztlich abklären lassen sollte man einen solchen Vorfall trotzdem, schon wegen Hepatitis und Tetanus.

Besteht ein Risiko beim Tätowieren, Piercen oder beim Friseur?

Bei seriösen Studios praktisch nicht. Nadeln und Farbkapseln sind Einwegartikel, wiederverwendbare Instrumente werden im Autoklaven sterilisiert. Wo diese Standards eingehalten werden, ist HIV kein realistisches Thema.

Vorsicht ist bei improvisierten Bedingungen geboten, etwa bei Tätowierungen im privaten Umfeld, im Urlaub unter fragwürdigen hygienischen Verhältnissen oder in Haftanstalten. Achten Sie darauf, dass Nadeln vor Ihren Augen aus steriler Verpackung entnommen werden. Im privaten Alltag sollten Rasierer, Zahnbürsten und Nagelscheren nicht geteilt werden, auch wenn eine HIV-Übertragung auf diesem Weg äußerst unwahrscheinlich ist. Der praktisch bedeutsamste Weg der Blutübertragung ist und bleibt das gemeinsame Benutzen von Spritzbestecken, siehe Spritzen von Drogen.

Kann ich mich bei Erster Hilfe anstecken?

Nein, jedenfalls nicht bei normaler Erster Hilfe. Intakte Haut ist eine zuverlässige Barriere, HIV kann sie nicht durchdringen. Beatmung, Herzdruckmassage und das Anlegen eines Verbandes stellen kein Risiko dar.

Helfen Sie deshalb bitte ohne Zögern. Einweghandschuhe aus dem Verbandskasten sind sinnvoll, wenn Sie selbst offene Wunden an den Händen haben, und sie sind ohnehin guter Standard. Kommt fremdes Blut auf unverletzte Haut, waschen Sie es einfach mit Wasser und Seife ab. Angst vor HIV ist kein Grund, jemandem nicht zu helfen. Was tatsächlich kein Risiko darstellt, fasst der Artikel Wobei man sich nicht mit HIV anstecken kann zusammen.

Welche Rolle spielt die Viruslast?

Eine entscheidende. Auch bei Blutkontakt gilt, dass ohne Virus keine Übertragung stattfinden kann. Bei Menschen unter wirksamer antiretroviraler Therapie mit dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast ist die Infektiosität extrem gering.

Der belegte Grundsatz nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar ist wissenschaftlich für den sexuellen Übertragungsweg formuliert. Bei Blutkontakten wird deshalb weiterhin sorgfältig geprüft und im Zweifel eine PEP empfohlen. Das ist kein Widerspruch, sondern schlicht vorsichtiges Vorgehen dort, wo größere Blutmengen im Spiel sein können.

Aus dem gleichen Grund gilt: Menschen mit HIV dürfen in Deutschland kein Blut spenden, und zwar auch unter erfolgreicher Therapie. Das ist keine Bewertung der Person, sondern folgt der Logik, dass bei Blutprodukten grundsätzlich der größtmögliche Sicherheitsabstand eingehalten wird. Wer unsicher ist, ob ein zurückliegender Blutkontakt ein Risiko war, sollte das ärztlich einschätzen lassen, statt sich auf eigene Recherche zu verlassen. In vielen Fällen stellt sich heraus, dass gar kein relevanter Kontakt vorlag. Wo Sie sich testen lassen können, steht unter Wo HIV-Test machen.

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