Behandlung und Therapie

Was sind ART und HAART?

ART steht für antiretrovirale Therapie, HAART für hochaktive antiretrovirale Therapie. Gemeint ist in beiden Fällen eine Kombination aus mehreren Medikamenten, die das HI-Virus an verschiedenen Stellen seines Vermehrungszyklus blockieren. Diese Kombinationstherapie ist heute der Standard bei der Behandlung einer HIV-Infektion, sie kann die Infektion aber nicht heilen.

Der Begriff HAART stammt aus den 1990er Jahren und sollte damals den Unterschied zu den früheren, deutlich schwächeren Einzelwirkstoff-Behandlungen betonen. Weil heute ohnehin jede Therapie als Kombination gegeben wird, hat sich die kürzere Bezeichnung ART weitgehend durchgesetzt. Wenn Sie beide Abkürzungen in Broschüren oder Arztbriefen lesen, meinen sie dasselbe Behandlungsprinzip.

Warum werden mehrere Wirkstoffe kombiniert?

Weil das HI-Virus sich sehr schnell verändert. Es vermehrt sich in großer Zahl und macht dabei viele Kopierfehler. Gegen ein einzelnes Medikament findet das Virus deshalb oft innerhalb von Wochen eine Variante, auf die der Wirkstoff nicht mehr greift.

Werden dagegen mehrere Wirkstoffe mit unterschiedlichen Ansatzpunkten gleichzeitig eingesetzt, müsste das Virus in einem Schritt mehrere passende Veränderungen entwickeln. Das gelingt ihm bei zuverlässiger Einnahme praktisch nicht. Genau darauf beruht der Erfolg der Kombinationstherapie. Mehr zu diesem Zusammenhang finden Sie unter Wirkstoffspiegel und Resistenzen.

Welche Wirkstoffklassen gibt es?

Die zugelassenen Substanzen lassen sich mehreren Klassen zuordnen. Jede greift an einer anderen Stelle im Vermehrungszyklus des Virus an. Wie dieser Zyklus abläuft, beschreibt der Beitrag Was macht HIV in meinem Körper?.

WirkstoffklasseAnsatzpunkt im Vermehrungszyklus
Entry- und Attachment-InhibitorenVerhindern das Andocken und Eindringen in die Zelle
NRTI (nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer)Blockieren das Umschreiben der Virus-Erbinformation
NNRTI (nicht-nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer)Hemmen dasselbe Enzym an anderer Stelle
Integrase-InhibitorenVerhindern den Einbau in das Erbgut der Wirtszelle
ProteasehemmerStören die Reifung neuer, ansteckungsfähiger Viruspartikel

Welche Klassen im Einzelfall kombiniert werden, entscheidet die behandelnde Schwerpunktpraxis anhand von Vorerkrankungen, weiteren Medikamenten und Laborwerten. Häufig bilden Integrase-Inhibitoren heute den Kern der Therapie.

Muss ich täglich mehrere Tabletten nehmen?

In der Regel nicht. Die frühere Situation mit vielen Tabletten zu verschiedenen Tageszeiten gehört weitgehend der Vergangenheit an. Heute stehen Kombinationspräparate zur Verfügung, die zwei oder drei Wirkstoffe in einer einzigen Tablette enthalten und einmal täglich eingenommen werden.

Zusätzlich gibt es langwirksame Depotspritzen, die in mehrwöchigem Abstand in der Praxis verabreicht werden. Sie kommen für Menschen infrage, deren Viruslast bereits stabil unter der Nachweisgrenze liegt und für die eine tägliche Tabletteneinnahme im Alltag schwierig ist. Ob diese Option passt, klärt die behandelnde Praxis individuell.

Was bedeutet eine erfolgreiche ART im Alltag?

Sie bedeutet vor allem zwei Dinge: Das Immunsystem erholt sich, und das Virus wird nicht mehr weitergegeben. Unter wirksamer Therapie sinkt die Menge an Viren im Blut so weit ab, dass gängige Labortests sie nicht mehr messen können. Man spricht dann von einer Viruslast unter der Nachweisgrenze.

Ist dieser Zustand stabil erreicht, wird HIV sexuell nicht mehr übertragen. Dieser wissenschaftlich gut belegte Zusammenhang wird unter dem Kürzel U=U zusammengefasst und ausführlich unter Nicht nachweisbar, nicht übertragbar erklärt. Gleichzeitig steigt die Zahl der T-Helferzellen wieder an, sodass sich das Immunsystem regenerieren kann und schwere opportunistische Erkrankungen ausbleiben.

Wie belastend ist die Therapie heute?

Deutlich weniger belastend als in den Anfangsjahren. Die frühen Substanzen waren häufig mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, etwa mit Magen-Darm-Beschwerden oder Veränderungen der Körperfettverteilung. Moderne Präparate sind besser verträglich, und viele Menschen bemerken im Alltag keine oder nur geringe Beschwerden.

Beschwerden in den ersten Wochen sind dennoch möglich und sollten in der Praxis angesprochen werden, statt die Therapie eigenmächtig abzusetzen. Bei den zahlreichen verfügbaren Kombinationen lässt sich in aller Regel eine gut verträgliche Variante finden. Regelmäßige Kontrolltermine dienen genau dazu, Verträglichkeit und Wirksamkeit im Blick zu behalten.

Wie lange muss die Therapie fortgeführt werden?

Nach heutigem Stand lebenslang. Die Medikamente unterdrücken die Virusvermehrung, sie entfernen das Virus aber nicht aus dem Körper. HIV verbleibt in sogenannten Ruhereservoiren, aus denen es sich nach Absetzen der Medikamente innerhalb weniger Wochen wieder ausbreitet.

Ein eigenmächtiges Absetzen oder Pausieren ist deshalb riskant: Die Viruslast steigt wieder an, das Immunsystem wird erneut geschädigt, und es können Resistenzen entstehen, die spätere Behandlungsoptionen einschränken. Wenn Sie Ihre Therapie ändern möchten, besprechen Sie das vorher mit Ihrer Schwerpunktpraxis. Wann der Beginn sinnvoll ist, lesen Sie unter Wann mit einer HIV-Therapie beginnen?. Wer sich mit den Kosten befassen möchte, findet Antworten unter Behandlungskosten.

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