HIV & AIDS verstehen
Übertragung, Erreger, Erkrankung, Symptome
HIV wird übertragen, wenn Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Muttermilch einer infizierten Person auf Schleimhäute oder in offene Wunden gelangen. Das Virus befällt gezielt Zellen des Immunsystems und schwächt die Abwehr über Jahre hinweg. Unbehandelt führt das zur Erkrankung AIDS, unter einer wirksamen Therapie geschieht das heute in aller Regel nicht mehr.
Wie wird HIV übertragen?
Übertragungsrelevant sind vier Körperflüssigkeiten: Blut, Sperma einschließlich des Lusttropfens, Scheidenflüssigkeit und Muttermilch. Eine Infektion ist möglich, wenn eine dieser Flüssigkeiten mit Schleimhäuten in Kontakt kommt, etwa in Scheide, Penis, Enddarm oder Mund, oder mit offenen Hautverletzungen wie frischen Wunden, Ekzemen oder entzündeten Stellen.
Speichel, Schweiß, Tränen und Urin enthalten so wenig Virus, dass darüber praktisch keine Übertragung stattfindet. Deshalb besteht beim Küssen kein Risiko, ebenso wenig bei Alltagskontakten wie Händeschütteln, gemeinsamem Geschirr oder der Benutzung derselben Toilette. Einen Überblick über die Situationen, in denen kein HIV-Risiko besteht, finden Sie in einem eigenen Beitrag. Die tatsächlichen Übertragungswege sind ungeschützter Vaginalverkehr und Analverkehr, die Blutübertragung, etwa beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzbesteck, sowie die Übertragung in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit. Andere Geschlechtskrankheiten und entzündete Schleimhäute erhöhen das Risiko, weil sie dem Virus den Zugang erleichtern.
Was für ein Erreger ist HIV?
HIV ist ein Retrovirus, also ein Virus, das seine Erbinformation in das Erbgut der befallenen Zelle einbaut. Was das genau bedeutet, erklärt der Beitrag Was ist ein Retrovirus.
Das Virus befällt bevorzugt Zellen, die für die körpereigene Abwehr zuständig sind: die T-Helfer-Zellen, auch CD4-Zellen genannt, und die großen Fresszellen, die Makrophagen. Daneben können weitere Zellen betroffen sein, besonders im Darm und im Gehirn. Normalerweise koordinieren die T-Helfer-Zellen die Abwehr gegen eindringende Erreger. HIV greift genau an dieser Schaltstelle an: Es programmiert die Wirtszelle um und nutzt sie zur eigenen Vermehrung. Die neu gebildeten Viren zerstören die Zelle und werden ins Blut freigesetzt. Die Zahl der T-Helfer-Zellen sinkt so über Jahre kontinuierlich. Wie dieser Kreislauf abläuft, beschreiben die Beiträge Was macht HIV in meinem Körper und HIV und das Immunsystem.
Warum kann HIV bisher nicht geheilt werden?
Weil die Erbinformation des Virus dauerhaft im Erbgut infizierter Zellen verbleibt. Bei jeder Zellteilung wird sie an beide Tochterzellen weitergegeben.
Das Immunsystem bildet zwar innerhalb einiger Wochen Antikörper gegen HIV, auf deren Nachweis der HIV-Antikörpertest beruht. Diese Antikörper können das Virus aber nicht aus dem Körper entfernen. In ruhenden Zellen überdauert es auch dann, wenn im Blut kein Virus mehr messbar ist. Medikamente können die Vermehrung dauerhaft unterdrücken, das erklärt der Beitrag Was sind ART und HAART, sie können diese Reservoire jedoch nicht ausräumen. Deshalb wird eine HIV-Therapie bislang lebenslang eingenommen.
Welche Symptome treten nach einer Ansteckung auf?
In den ersten Wochen nach der Ansteckung können grippeähnliche Beschwerden auftreten: Fieber, Hautausschlag, Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Sie klingen nach kurzer Zeit von selbst wieder ab.
Diese sogenannte akute Phase wird häufig übersehen oder für einen grippalen Infekt gehalten. Sie ist kein Beweis für eine Infektion, denn dieselben Beschwerden haben unzählige harmlose Ursachen. Umgekehrt bleiben viele Menschen völlig beschwerdefrei. Aus Symptomen allein lässt sich also nie ableiten, ob eine Infektion vorliegt. Sicherheit gibt nur ein Test, und der ist erst nach Ablauf des diagnostischen Fensters aussagekräftig. Eine Einordnung der möglichen Beschwerden bietet der Beitrag Symptome der Infektion.
Wie verläuft die Infektion ohne Behandlung?
Auf die akute Phase folgt eine Zeit ohne erkennbare Beschwerden, die viele Jahre dauern kann. In dieser Zeit vermehrt sich das Virus weiter, und die Zahl der Abwehrzellen sinkt langsam.
Danach treten Vorstadien auf, die früher als Lymphadenopathie-Syndrom, also anhaltende Lymphknotenschwellungen, und als AIDS-Related Complex mit Fieber, Durchfällen, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit und Gewichtsabnahme bezeichnet wurden. Wie lange diese Phasen dauern, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt unter anderem vom Virustyp, von weiteren Infektionen und vom Allgemeinzustand ab.
Was unterscheidet HIV von AIDS?
HIV ist das Virus, AIDS ist das Krankheitsbild, das ohne Behandlung nach vielen Jahren entstehen kann. Ausführlich behandelt das der Beitrag zum Unterschied zwischen HIV und AIDS.
Von AIDS spricht man, wenn die Abwehr so weit zusammengebrochen ist, dass Erreger schwere Erkrankungen auslösen, die einem Menschen mit intaktem Immunsystem nichts anhaben. Solche Krankheiten heißen opportunistische Infektionen. Dazu zählen bestimmte Lungenentzündungen und Pilzerkrankungen, außerdem treten das Kaposi-Sarkom, bestimmte Lymphome und Gebärmutterhalskrebs gehäuft auf.
Entscheidend ist heute: Dieser Verlauf ist der unbehandelte Verlauf. Mit einer rechtzeitig begonnenen und regelmäßig eingenommenen Therapie erholt sich das Immunsystem in der Regel, AIDS tritt dann meist gar nicht erst auf, und die Lebenserwartung ist weitgehend normal. Wann eine Behandlung beginnt, erklärt der Beitrag Wann mit einer HIV-Therapie beginnen. Kommt die Virusmenge dauerhaft unter die Nachweisgrenze, wird HIV zudem sexuell nicht mehr weitergegeben, siehe nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar. Wie sich eine Übertragung von vornherein verhindern lässt, beschreibt der Bereich Schutz und Vorbeugung.
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