Sofortmaßnahmen
PEP als Sofortmaßnahme nach möglicher Infektion
Wenn Sie befürchten, sich gerade mit HIV angesteckt zu haben, gilt: Suchen Sie noch heute eine Notaufnahme, eine HIV-Schwerpunktpraxis oder eine Infektionsambulanz auf. Dort wird geprüft, ob eine PEP für Sie infrage kommt. Die PEP wirkt umso zuverlässiger, je früher sie beginnt, deshalb ist die Uhrzeit kein Grund zu warten. Notaufnahmen sind rund um die Uhr besetzt.
Was ist eine PEP überhaupt?
PEP steht für Post-Expositions-Prophylaxe, also eine vorbeugende Behandlung nach einem möglichen Kontakt mit HIV. Es handelt sich um eine Kombination von HIV-Medikamenten, die verhindern soll, dass sich das Virus im Körper festsetzt. Nach einem Risikokontakt braucht HIV eine gewisse Zeit, bis es sich dauerhaft im Immunsystem einnistet. Genau dieses Zeitfenster nutzt die PEP.
Wichtig ist die Abgrenzung zur PrEP: Die PrEP wird vor einem Risiko eingenommen und ist ein geplanter Dauerschutz. Die PEP ist die Notfallmaßnahme danach. Beide Begriffe werden häufig verwechselt, sie beschreiben aber völlig unterschiedliche Situationen.
Wie schnell muss ich handeln?
So schnell wie möglich, im Idealfall innerhalb weniger Stunden nach dem Ereignis. Als Regelgrenze gilt ein Zeitraum von 48 Stunden. In begründeten Ausnahmefällen, etwa bei einem besonders hohen Risiko, kann eine PEP auch noch bis zu 72 Stunden nach dem Kontakt begonnen werden. Diese Entscheidung trifft immer die Ärztin oder der Arzt.
Praktisch heißt das: Wenn Sie nachts aufwachen und sich Sorgen machen, ist die Notaufnahme der richtige Ort. Warten Sie nicht bis zum nächsten Werktag, um in einer Praxis anzurufen. Jede Stunde, die vergeht, verringert die Wirksamkeit.
Ist es nach 40 Stunden noch sinnvoll?
Ja. Innerhalb von 48 Stunden liegen Sie im regulären Zeitfenster, und eine PEP kommt weiterhin in Betracht. Auch wenn bereits mehr Zeit vergangen ist, lohnt sich die ärztliche Vorstellung: Entweder wird die PEP im Ausnahmefall noch begonnen, oder Sie erhalten eine klare Einschätzung des tatsächlichen Risikos und einen Plan für die Nachsorge mit Tests.
Ein Gespräch ist also auch dann nicht umsonst, wenn das Zeitfenster knapp geworden ist. Viele Menschen überschätzen ihr Risiko erheblich. Eine Übersicht dazu finden Sie unter kein HIV-Risiko.
Bei welchen Situationen kommt eine PEP infrage?
Eine PEP wird vor allem dann erwogen, wenn ein realistischer Übertragungsweg vorlag. Dazu zählen:
- Ungeschützter Analverkehr oder Vaginalverkehr mit einer Person, die HIV-positiv ist und keine wirksame Therapie hat oder deren Status unbekannt ist
- Ein geplatztes oder abgerutschtes Kondom in einer solchen Situation, siehe Erste Hilfe nach einem Kondomunfall
- Die gemeinsame Nutzung von Spritzbesteck, siehe Spritzen von Drogen
- Nadelstichverletzungen und andere Verletzungen mit möglichem Blutkontakt
- Sexuelle Gewalt
Kein Risiko besteht bei alltäglichen Kontakten, beim Küssen oder bei Sex mit einer HIV-positiven Person, deren Viruslast unter Therapie dauerhaft nicht nachweisbar ist. Warum das so ist, erklärt der Beitrag nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar.
Wer entscheidet, ob ich eine PEP bekomme?
Die Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach einer individuellen Risikobewertung. Grundlage sind die einschlägigen Fachempfehlungen zur Postexpositionsprophylaxe. Bewertet wird unter anderem, welche Art von Kontakt vorlag, wie wahrscheinlich eine HIV-Infektion bei der anderen Person ist und wie viel Zeit seither vergangen ist.
Sie können diesen Prozess unterstützen, indem Sie möglichst genau schildern, was passiert ist und wann. Das ist kein angenehmes Gespräch, aber medizinisches Personal geht damit routiniert und ohne Wertung um. Je präziser Ihre Angaben, desto besser die Einschätzung.
Wie läuft die Behandlung ab?
Die PEP besteht aus einer Kombination von HIV-Medikamenten, die etwa vier Wochen lang täglich eingenommen wird. Sie beginnt idealerweise noch am Tag der Vorstellung. Häufig erhalten Sie zunächst eine Startpackung und werden anschließend an eine Praxis oder Ambulanz zur weiteren Begleitung angebunden.
Nebenwirkungen wie Übelkeit, Müdigkeit oder Kopfschmerzen sind möglich, sie sind meist vorübergehend. Wichtig ist, die Einnahme nicht eigenmächtig abzubrechen, sondern Beschwerden ärztlich zu besprechen. Zu Beginn und im Verlauf werden Blutuntersuchungen durchgeführt, unter anderem ein HIV-Test zum Ausgangszeitpunkt.
Die PEP ist ausdrücklich kein Ersatz für Schutz beim Sex. Sie ist eine aufwendige Notfallmaßnahme mit relevanten Nebenwirkungen und keine Alternative zu Kondomen oder zur PrEP.
Was mache ich nach Abschluss der PEP?
Nach dem Ende der Einnahme folgen Kontrolltests, die den Erfolg absichern. Wann diese Tests sinnvoll sind, legt die betreuende Praxis fest, denn das diagnostische Fenster verschiebt sich durch die Medikamente. Halten Sie diese Termine unbedingt ein, auch wenn Sie sich längst wieder sicher fühlen.
Bis das Ergebnis der abschließenden Kontrolle vorliegt, sollten Sie beim Sex konsequent schützen. Wenn Sie über die medizinische Seite hinaus Gesprächsbedarf haben, sind die Beratungsstellen der Aidshilfen und die Gesundheitsämter eine gute Anlaufstelle. Sie beraten kostenfrei und auf Wunsch anonym.
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