Ansteckungsrisiken

Schwangerschaft, Geburt und beim Stillen

Eine HIV-positive Frau kann das Virus während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen auf ihr Kind übertragen. Mit den heute verfügbaren Schutzmaßnahmen lässt sich dieses Risiko jedoch auf einen sehr kleinen Restwert senken. HIV-positive Frauen in Deutschland bekommen ganz überwiegend gesunde, HIV-negative Kinder.

Wie hoch ist das Übertragungsrisiko auf das Kind?

Ohne jede Maßnahme liegt es nach den bekannten Daten in einer Größenordnung von etwa 15 bis 30 Prozent. Mit den Standardmaßnahmen in Deutschland, also einer wirksamen antiretroviralen Therapie der Mutter, geburtshilflicher Planung und vorübergehender Behandlung des Neugeborenen, sinkt es auf deutlich unter zwei Prozent.

Der wichtigste einzelne Faktor ist die Viruslast der Mutter. Ist sie unter der Therapie dauerhaft nicht nachweisbar, ist eine Übertragung sehr unwahrscheinlich. Genau darauf zielt die gesamte Betreuung ab: die Viruslast rechtzeitig vor der Geburt unter die Nachweisgrenze zu bringen und dort zu halten. Wie diese Behandlung funktioniert, beschreibt der Artikel Was sind ART und HAART.

Können HIV-positive Frauen ihre Medikamente in der Schwangerschaft nehmen?

Ja, und sie sollten es auch. Es gibt HIV-Medikamente, die für die Anwendung in der Schwangerschaft gut untersucht sind. Eine bestehende Therapie wird in aller Regel fortgeführt, gelegentlich wird die Kombination angepasst.

Setzen Sie eine laufende Therapie keinesfalls eigenmächtig ab, weil Sie schwanger sind. Ein Therapieabbruch lässt die Viruslast ansteigen und erhöht das Risiko für das Kind erheblich, während die Medikamente selbst nach heutigem Kenntnisstand gut vertragen werden. Besprechen Sie jede Änderung mit einer HIV-Schwerpunktpraxis. Einen Überblick über die Präparate gibt der Artikel Medikament gegen HIV und AIDS.

Ist ein Kaiserschnitt zwingend notwendig?

Nein, nicht mehr grundsätzlich. Lange galt der geplante Kaiserschnitt als Standard, weil er den Kontakt des Kindes mit Blut und Vaginalsekret während der Geburt reduziert. Das hat sich geändert.

Ist die Viruslast der Mutter unter wirksamer Therapie im letzten Schwangerschaftsdrittel dauerhaft nicht nachweisbar und liegen keine geburtshilflichen Gründe dagegen vor, ist eine vaginale Geburt heute möglich und wird auch angeboten. Ein Kaiserschnitt bleibt die Empfehlung, wenn die Viruslast nicht ausreichend gesenkt werden konnte, die Therapie erst spät begonnen wurde oder der HIV-Status erst kurz vor der Geburt bekannt wurde. Diese Entscheidung trifft man gemeinsam mit einer Klinik, die Erfahrung mit HIV-positiven Schwangeren hat.

Darf eine HIV-positive Frau stillen?

In Deutschland wird weiterhin empfohlen, nicht zu stillen. Muttermilch kann HI-Viren enthalten, und ein Übertragungsrisiko über das Stillen lässt sich auch unter Therapie nicht vollständig ausschließen. Säuglingsnahrung ist hierzulande sicher verfügbar, sauberes Wasser ist gegeben, und damit gibt es eine risikofreie Alternative.

Der Wunsch zu stillen ist verständlich, und die Empfehlung wird international differenziert diskutiert. In Regionen ohne sichere Alternative zur Muttermilch wird unter wirksamer Therapie zum Stillen geraten, weil dort die Risiken durch unsauberes Wasser schwerer wiegen. Wenn Ihnen das Stillen wichtig ist, sprechen Sie offen mit Ihrer Schwerpunktpraxis darüber, statt die Frage für sich allein zu entscheiden.

Was bedeutet das für den Kinderwunsch?

Ein Kinderwunsch ist mit HIV gut vereinbar. Ist die Viruslast des HIV-positiven Partners oder der Partnerin unter Therapie dauerhaft nicht nachweisbar, findet sexuell keine Übertragung statt. Eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ist dann möglich, ohne dass sich der negative Partner ansteckt. Dieser Zusammenhang ist unter nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar ausführlich beschrieben.

Voraussetzung ist eine ärztlich bestätigte, stabil nicht nachweisbare Viruslast, nicht eine Vermutung. Für Paare, bei denen diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, gibt es weitere Wege, etwa die PrEP für den negativen Partner oder reproduktionsmedizinische Verfahren. Lassen Sie sich vor dem Absetzen der Verhütung beraten, das erspart Ihnen viel Unsicherheit.

Wird in der Schwangerschaft auf HIV getestet?

Ein HIV-Test wird jeder Schwangeren im Rahmen der Vorsorge angeboten. Er ist freiwillig und wird nur mit Ihrer Zustimmung durchgeführt, im Mutterpass wird lediglich die erfolgte Beratung vermerkt, nicht das Ergebnis.

Nehmen Sie dieses Angebot an. Genau darin liegt der Sinn: Eine früh erkannte Infektion lässt sich behandeln, und dann ist das Kind so gut wie sicher geschützt. Eine unerkannte Infektion ist das eigentliche Risiko, denn ohne Wissen um den Status greift keine der Schutzmaßnahmen. Sinnvoll ist der Test auch dann, wenn Sie sich subjektiv sicher fühlen, denn viele Infektionen verlaufen jahrelang ohne Beschwerden.

Wurde die Infektion erst spät in der Schwangerschaft oder unter der Geburt festgestellt, ist ebenfalls noch einiges möglich. Auch dann wird sofort behandelt, das Neugeborene erhält vorbeugend Medikamente, und das Übertragungsrisiko sinkt dadurch erheblich. Zu spät ist es also fast nie, nur wird der Schutz umso besser, je früher er beginnt. Wie der Test funktioniert, erklärt Wie funktioniert der HIV-Antikörpertest. Fällt das Ergebnis positiv aus, finden Sie erste Orientierung unter Positiv, was kann ich tun. Wenden Sie sich in jedem Fall an eine HIV-Schwerpunktpraxis, die Sie durch die Schwangerschaft begleitet.

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