Ansteckungsrisiken
Spritzen von Drogen
Der gemeinsame intravenöse Gebrauch von Spritzen, Nadeln, Zubehör und Drogen birgt ein sehr hohes Risiko, sich mit HIV und mit Hepatitis-Erregern zu infizieren. Bei diesem Übertragungsweg gelangt Blut direkt in die Blutbahn eines anderen Menschen, und Blut enthält die höchste Viruskonzentration überhaupt. Wirksamen Schutz bieten ausschließlich sterile Spritzen und sauberes Zubehör für jeden einzelnen Konsumvorgang.
Warum ist dieser Übertragungsweg so riskant?
Weil die natürlichen Barrieren des Körpers vollständig umgangen werden. Beim Sex muss HIV eine Schleimhaut überwinden, hier wird virushaltiges Blut unmittelbar in die Vene gebracht. In einer benutzten Spritze verbleibt immer ein Restvolumen Blut, das für eine Übertragung ausreichen kann.
Hinzu kommt Hepatitis C. Dieses Virus ist außerhalb des Körpers erheblich widerstandsfähiger als HIV und wird beim Spritzentausch noch leichter übertragen. Wer sich auf HIV konzentriert und Hepatitis ausblendet, schätzt die eigene Lage falsch ein. Grundlagen zu HIV selbst finden Sie unter Was ist HIV, was ist AIDS.
Reicht es, nur die Nadel zu wechseln?
Nein. Das ist ein weit verbreiteter und folgenschwerer Irrtum. Blut sammelt sich auch im Spritzenkörper, und das gesamte Zubehör kann kontaminiert sein.
Riskant ist deshalb auch das gemeinsame Benutzen von Löffeln und Pfännchen, Filtern, Wasser zum Aufziehen oder Nachspülen, Stauschläuchen und Tupfern. Ebenso das Aufteilen einer Lösung mit einer bereits benutzten Spritze. Beim Sniefen von Substanzen können geteilte Röhrchen über verletzte Nasenschleimhaut Hepatitis C übertragen, ein HIV-Risiko besteht dabei nach heutigem Kenntnisstand nicht. Praktische Regel: Jede Person hat ihr eigenes, komplettes Set, jedes Mal neu.
Was heißt Safer Use konkret?
Für jeden Konsum eine neue sterile Spritze mit neuer Nadel und eigenes, unbenutztes Zubehör. Markieren Sie eigene Utensilien, damit sie nicht verwechselt werden, und legen Sie sie nicht mit denen anderer zusammen ab. Waschen Sie sich vor dem Konsum die Hände und desinfizieren Sie die Einstichstelle.
Wechseln Sie die Einstichstellen, verwenden Sie ausreichend sauberes Wasser und entsorgen Sie Spritzen in stichfesten Behältern, nicht im Hausmüll oder im Freien. Sterile Materialien erhalten Sie in Apotheken, bei Drogenberatungsstellen, über Spritzenautomaten und in Konsumräumen, vielerorts kostenlos und ohne Nachweis. Diese Stellen beraten anonym und ohne Bedingungen.
Was tun nach einer riskanten Situation?
Wenn Sie Spritzbesteck geteilt haben oder es zu einem Blutkontakt kam, klären Sie so schnell wie möglich eine PEP ab. Diese vorbeugende Notfallmedikation kann eine Infektion noch verhindern, muss aber innerhalb weniger Stunden begonnen werden, spätestens nach 48 bis 72 Stunden.
Anlaufstellen sind Infektionsambulanzen, HIV-Schwerpunktpraxen und die Notaufnahmen größerer Kliniken. Sagen Sie dort offen, was passiert ist, nur so kann das Risiko richtig eingeschätzt werden. Bei Stichverletzungen mit fremden Nadeln gelten die unter Sofortmaßnahmen bei Nadelstichverletzungen beschriebenen Schritte.
Wann und wie oft sollte man sich testen lassen?
Bei intravenösem Konsum sind regelmäßige Tests sinnvoll, und zwar auf HIV sowie auf Hepatitis B und C. Nach einer konkreten Risikosituation ist das diagnostische Fenster zu beachten, ein Labortest der vierten Generation gilt etwa sechs Wochen nach dem Ereignis als aussagekräftig.
Testmöglichkeiten bieten Gesundheitsämter, Aidshilfen, Drogenberatungsstellen und Arztpraxen, häufig anonym und kostenlos. Wo das im Einzelnen möglich ist, beschreibt Wo HIV-Test machen. Gegen Hepatitis A und B gibt es zudem eine Impfung, Hepatitis C ist heute in den meisten Fällen heilbar. Beides sollten Sie mitnehmen, wenn Sie ohnehin schon in Kontakt mit einer Beratungsstelle stehen.
Was gilt bei bereits bestehender HIV-Infektion?
Auch dann ist eine Behandlung uneingeschränkt möglich und sinnvoll. Aktiver Drogenkonsum ist kein Ausschlussgrund für eine antiretrovirale Therapie. Schwerpunktpraxen haben Erfahrung damit, Therapien so zu gestalten, dass sie in schwierige Lebenslagen passen, und arbeiten mit Substitutionsangeboten zusammen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Kosten: Die HIV-Behandlung wird in Deutschland von den Krankenkassen getragen, und auch für Menschen ohne geregelten Versicherungsschutz gibt es Wege, an eine Therapie zu kommen. Aidshilfen und Schwerpunktambulanzen kennen diese Wege und helfen bei der Klärung. Näheres dazu finden Sie unter Behandlungskosten. Geld sollte kein Grund sein, eine Behandlung nicht zu beginnen.
Eine wirksame Therapie senkt die Viruslast unter die Nachweisgrenze. Dann findet sexuell keine Übertragung mehr statt, wie unter nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar beschrieben. Für den Konsum bedeutet das jedoch keine Entwarnung beim Teilen von Besteck, weil dabei Blut direkt übertragen wird und Hepatitis C ohnehin unabhängig davon weitergegeben werden kann. Sterile Materialien bleiben also auch unter Therapie unverzichtbar. Was ein positiver Befund praktisch bedeutet, steht unter Positiv, was kann ich tun.
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