Schutz und Vorbeugung

Geschützter Geschlechtsverkehr

Geschützter Geschlechtsverkehr bedeutet heute mehr als nur das Kondom. Es gibt drei wirksame Wege, eine HIV-Übertragung zu verhindern: das Kondom, die PrEP als medikamentöse Vorsorge und eine wirksame HIV-Therapie, unter der das Virus nicht mehr übertragen wird. Diese drei Wege stehen gleichwertig nebeneinander, und Sie können den wählen, der zu Ihrer Lebenssituation passt.

Welche Schutzmöglichkeiten gibt es überhaupt?

Es sind im Kern drei, und sie schließen sich gegenseitig nicht aus. Das Kondom ist die einzige Methode, die zugleich vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen und vor einer Schwangerschaft schützt. Die PrEP ist ein Medikament, das HIV-negative Menschen vorbeugend einnehmen und das eine Ansteckung mit HIV zuverlässig verhindert, aber nicht vor anderen Infektionen schützt. Der dritte Weg betrifft Menschen, die bereits mit HIV leben: Unter einer erfolgreichen Therapie sinkt die Virusmenge im Blut unter die Nachweisgrenze, und dann wird HIV beim Sex nicht mehr weitergegeben. Dieser Zusammenhang ist unter dem Kürzel n=n, nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar, bekannt. Welcher Weg der richtige ist, hängt davon ab, wie oft und mit wem Sie Sex haben, ob Sie zusätzlich verhüten möchten und wie gut Sie den HIV-Status Ihrer Partnerinnen und Partner kennen.

Wie wirksam sind Kondome wirklich?

Bei korrekter und regelmäßiger Anwendung sind Kondome sehr wirksam. Sie bilden eine mechanische Barriere und verhindern, dass Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit mit den Schleimhäuten des Gegenübers in Kontakt kommen. Genau über diesen Weg wird HIV übertragen, wie im Beitrag zu den Ansteckungsrisiken beschrieben.

Wichtig ist, dass die Anwendung stimmt. Die meisten Pannen entstehen nicht durch mangelhafte Kondome, sondern durch Fehler beim Öffnen, beim Abrollen oder beim Zurückziehen. Verwenden Sie Markenkondome mit Prüfsiegel, achten Sie auf das Verfallsdatum und lagern Sie sie kühl, trocken und lichtgeschützt. Wie das im Einzelnen aussieht, lesen Sie unter Rund ums Kondom. Auf Reisen lohnt es sich, eigene Kondome mitzunehmen, weil die Qualitätsstandards nicht überall gleich sind.

Welches Gleitmittel darf ich benutzen?

Nur wasserbasierte oder silikonbasierte Gleitmittel. Fetthaltige Produkte wie Öle, Vaseline, Körperlotion oder Massageöl greifen Latex an und machen das Kondom im schlimmsten Fall undicht, ohne dass Sie es bemerken. Das gilt auch für fetthaltige Cremes, die zufällig in Reichweite liegen.

Gleitmittel ist kein Zusatz für Fortgeschrittene, sondern erhöht die Sicherheit spürbar. Reibung ist die häufigste Ursache dafür, dass ein Kondom reißt. Besonders beim Analverkehr ist zusätzliches Gleitmittel sinnvoll, weil der Enddarm keine eigene Feuchtigkeit bildet und die Schleimhaut dort besonders verletzlich ist. Auch beim Vaginalverkehr kann Gleitmittel helfen, wenn die Scheide nicht ausreichend feucht wird.

Was ist ein Femidom, und für wen eignet es sich?

Das Femidom ist ein Kondom, das in die Vagina eingeführt wird. Es besteht meist aus Polyurethan oder einem ähnlichen Kunststoff und liegt wie eine sehr dünne zweite Haut an der Innenwand an. An beiden Enden sitzt ein weicher Ring: Der innere dient zum Einführen und hält das Femidom an Ort und Stelle, der äußere bleibt vor der Scheide.

Als Barrieremethode ist es dem Kondom gleichwertig. Es hat zwei praktische Vorteile: Es kann bereits vor dem Sex eingeführt werden, und weil es nicht aus Latex besteht, verträgt es auch fetthaltige Gleitmittel. Femidome sind in Apotheken erhältlich, teurer als Kondome und ebenfalls nur für den einmaligen Gebrauch gedacht. Die Anwendung braucht etwas Übung, deshalb probieren Sie sie am besten in Ruhe aus.

Wie schütze ich mich beim Oralverkehr?

Für Oralverkehr an Vagina oder After gibt es Dental Dams, dünne Latextücher, die als Barriere aufgelegt werden. Sie sind in Apotheken und Sexshops erhältlich, teils in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Für Oralverkehr am Penis eignet sich ein normales Kondom.

Das HIV-Risiko beim Oralverkehr gilt als deutlich geringer als beim Vaginal- oder Analverkehr. Andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Gonorrhoe oder Chlamydien werden auf diesem Weg jedoch gut übertragen, und dagegen schützen Dental Dam und Kondom ebenfalls.

Was tun, wenn beim Sex etwas schiefgegangen ist?

Handeln Sie schnell, denn es gibt eine wirksame Notfallmaßnahme.

  1. Bewahren Sie Ruhe und schauen Sie auf die Uhr. Der Zeitpunkt des Risikos ist die wichtigste Information.
  2. Wenden Sie sich möglichst innerhalb von 24 Stunden an eine HIV-Schwerpunktpraxis, eine Klinikambulanz oder eine Notaufnahme. Nach 48 bis 72 Stunden ist eine Behandlung in der Regel nicht mehr sinnvoll.
  3. Dort wird geprüft, ob eine PEP als Sofortmaßnahme angezeigt ist. Sie besteht aus HIV-Medikamenten, die über mehrere Wochen eingenommen werden.
  4. Lassen Sie sich zum passenden Zeitpunkt testen. Wie lange Sie warten müssen, erklärt der Beitrag zum diagnostischen Fenster.

Konkrete Schritte nach einer geplatzten oder abgerutschten Gummihülle finden Sie unter Erste Hilfe nach einem Kondomunfall. Wenn Sie unsicher sind, ob überhaupt ein Risiko bestand, hilft der Überblick unter Kein HIV-Risiko sowie die persönliche Beratung bei einer der Beratungsstellen. Dort wird kostenlos und auf Wunsch anonym beraten.

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