Ansteckungsrisiken

Ansteckungsrisiko für Frauen

Frauen tragen beim ungeschützten Vaginalverkehr ein höheres HIV-Übertragungsrisiko als Männer. Das liegt an körperlichen Gegebenheiten: größere Schleimhautfläche, längerer Kontakt und eine höhere Viruskonzentration im Sperma als im Scheidensekret. Für Männer ist das Risiko geringer, aber keineswegs vernachlässigbar.

Warum ist das Risiko für Frauen höher?

Weil die gesamte Vagina aus Schleimhaut besteht und damit eine große Eintrittsfläche bietet. Hinzu kommt der Gebärmutterhals, dessen Gewebe besonders empfindlich ist und in dem sich viele der Zellen befinden, an die HIV andockt.

Der zweite Grund ist die Kontaktdauer. Sperma verbleibt nach dem Verkehr über längere Zeit im Körper, sodass die Schleimhaut nicht nur großflächig, sondern auch anhaltend mit virushaltiger Flüssigkeit in Berührung kommt. Der dritte Grund ist die Menge: Beim Samenerguss ist deutlich mehr Flüssigkeit im Spiel als beim Kontakt mit Scheidensekret, und Sperma enthält in der Regel mehr Viren. Weitere Zusammenhänge beschreibt der Artikel zum Vaginalverkehr.

Warum ist das Risiko für Männer geringer?

Weil die Eintrittspforte kleiner ist und der Kontakt kürzer dauert. Beim Mann kommt vor allem die Schleimhaut an der Harnröhrenöffnung an der Eichelspitze in Betracht, dazu der Bereich unter der Vorhaut, wo das Gewebe dünner und empfindlicher ist. Verglichen mit der Vagina ist das eine sehr kleine Fläche.

Außerdem endet der Kontakt mit Scheidenflüssigkeit in der Regel mit dem Verkehr, während Sperma im Körper der Frau verbleibt. Das ist der wesentliche Unterschied.

Bitte lesen Sie das nicht als Entwarnung. Männer infizieren sich beim heterosexuellen Vaginalverkehr regelmäßig, weltweit ist das einer der häufigsten Übertragungswege überhaupt. Die Vorstellung, als Mann sei man beim Vaginalverkehr weitgehend sicher, ist falsch und hat schon vielen geschadet. Beim Analverkehr verschiebt sich das Bild ohnehin, dort ist der aufnehmende Part unabhängig vom Geschlecht am stärksten gefährdet.

Habe ich als Frau ein Risiko, wenn es nicht zum Samenerguss kommt?

Ja. Auch ohne Samenerguss besteht bei ungeschütztem eindringendem Verkehr ein zwar geringeres, aber reales Übertragungsrisiko. Der Lusttropfen, der bei Erregung schon vor dem Orgasmus austritt, kann HI-Viren enthalten, und über die Schleimhaut in Vagina oder Anus können diese aufgenommen werden.

Der sogenannte Rückzug vor dem Samenerguss ist deshalb kein Schutz vor HIV, ebenso wenig wie vor anderen Geschlechtskrankheiten oder vor einer Schwangerschaft. Verlassen Sie sich nicht darauf.

Was erhöht das Risiko zusätzlich?

Vor allem andere sexuell übertragbare Infektionen. Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, Trichomonaden oder Herpes führen zu Entzündungen und kleinen Verletzungen der Schleimhaut. Entzündetes Gewebe ist durchlässiger und enthält mehr Immunzellen, an die HIV andocken kann. Das Risiko steigt dadurch deutlich, und zwar für beide Seiten.

Weitere Faktoren sind trockener oder langer Verkehr ohne ausreichend Gleitmittel, die Menstruation, weil Blut deutlich mehr Viren enthält als Scheidenflüssigkeit, sowie frische Verletzungen nach Eingriffen oder Geburten. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Viruslast des Partners: In den ersten Wochen nach einer frischen Infektion ist sie besonders hoch, und gerade dann ist die Infektion oft noch niemandem bekannt. Ein regelmäßiger Test auf sexuell übertragbare Infektionen senkt das HIV-Risiko also indirekt mit.

Was bedeutet U=U für Frauen?

Es bedeutet, dass unter erfolgreicher Therapie kein sexuelles Übertragungsrisiko besteht. Nimmt ein HIV-positiver Partner seine Medikamente zuverlässig ein und ist die Viruslast dauerhaft und ärztlich bestätigt unter der Nachweisgrenze, findet keine Übertragung statt. Das gilt auch ohne Kondom und ist wissenschaftlicher Konsens, ausführlich beschrieben unter nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Die Aussage setzt eine ärztlich kontrollierte, stabil nicht nachweisbare Viruslast voraus, keine Selbsteinschätzung. Und sie gilt allein für HIV. Vor anderen Geschlechtskrankheiten und vor einer Schwangerschaft schützt sie nicht.

Wie kann ich mich als Frau selbstbestimmt schützen?

Das Kondom bleibt das zuverlässigste Mittel und schützt zugleich vor anderen Infektionen und vor einer Schwangerschaft. Hinweise zur richtigen Anwendung finden Sie unter Rund ums Kondom und geschützter Geschlechtsverkehr. Es gibt daneben Kondome für die Frau, die unabhängig vom Partner angewendet werden können.

Eine weitere Möglichkeit, die vollständig in Ihrer Hand liegt, ist die PrEP, also die vorbeugende Einnahme von HIV-Medikamenten. Sie ist auch für Frauen zugelassen und sinnvoll, wenn ein Partner sich nicht auf Kondome einlässt oder Sie in einer Situation leben, in der Sie den Schutz nicht aushandeln können. Ist bereits etwas passiert, prüfen Sie umgehend die PEP, sie muss innerhalb von Stunden begonnen werden. Bei Unsicherheit über einen zurückliegenden Kontakt schafft ein HIV-Test Klarheit.

Falls Sie sexuelle Gewalt erlebt haben, gilt das Gleiche mit besonderer Dringlichkeit: Eine PEP ist auch dann möglich und wird in Notaufnahmen und Gewaltschutzambulanzen ohne Vorbedingungen eingeleitet. Sie müssen dafür weder eine Anzeige erstattet haben noch sich dazu entscheiden. Bundesweit gibt es anonyme Beratungsangebote, die rund um die Uhr erreichbar sind und die weiteren Schritte mit Ihnen ordnen. Wenden Sie sich dorthin, auch wenn seit dem Ereignis schon einige Zeit vergangen ist, denn dann bleibt immer noch der Weg über einen Test zum richtigen Zeitpunkt.

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