Leben mit HIV

Positiv! Was kann ich tun?

Wenn ein Mensch erfährt, dass er HIV-positiv ist, verändert sich sein Leben. Auch für Angehörige und Freunde bedeutet das einen Einschnitt, meist begleitet von einer Vielzahl von Ängsten und Sorgen. Das Wichtigste vorweg: Sie müssen weder Ihr Verhalten im Alltag ändern noch Distanz halten, und Sie müssen auch nicht sofort die richtigen Worte finden.

Ein mir nahestehender Mensch ist HIV-positiv. Was kann ich jetzt tun?

Zuhören und dableiben. Für die meisten Betroffenen ist das Wertvollste, dass sich am Verhältnis nichts ändert. Fragen Sie, was gerade gebraucht wird, statt es zu vermuten. Manche möchten reden, andere zunächst gar nicht. Beides ist in Ordnung, und beides kann sich in den kommenden Wochen mehrfach ändern.

Vermeiden Sie zwei häufige Reaktionen: übertriebene Vorsicht im körperlichen Umgang und die Frage nach dem Wie und dem Wer. Die erste verletzt, weil sie im Alltag ohnehin unbegründet ist. Die zweite verschiebt den Fokus auf Schuld, wo es um Gesundheit geht. Hilfreicher ist die schlichte Zusage, erreichbar zu bleiben.

Hilfreich ist auch, sich selbst zu informieren, statt die betroffene Person zur Auskunftsstelle zu machen. Wer den heutigen Stand der Behandlung kennt, stellt andere Fragen und reagiert gelassener. Eine Einordnung dazu gibt der Beitrag Was ist HIV, was ist AIDS, Begriffe aus Befunden erklärt das Glossar.

Suchen Sie sich professionelle Unterstützung durch eine Beraterin oder einen Berater oder das Gespräch mit anderen Menschen, die in derselben Situation sind. Auch Angehörige dürfen eigene Sorgen haben und brauchen dafür nicht die Erlaubnis der betroffenen Person.

Muss ich im Alltag etwas ändern, um mich zu schützen?

Nein. Im normalen Zusammenleben besteht kein Übertragungsrisiko. Umarmen, Küssen, gemeinsames Essen, geteiltes Geschirr, Handtücher, Toilette, Bad, Schwimmbad und Sauna sind unbedenklich. Auch Husten, Niesen, Schweiß oder Tränen übertragen HIV nicht. Die einzelnen Situationen finden Sie unter Kein HIV-Risiko und speziell zum Küssen unter Küssen. Für den beruflichen Kontext gilt dasselbe, siehe Keine HIV-Übertragung am Arbeitsplatz.

Das gilt ausdrücklich auch für Haushalte mit Kindern. Gemeinsames Spielen, Trösten, Baden oder Essen stellt kein Risiko dar, und es gibt keinen Grund, Kinder von einem betroffenen Familienmitglied fernzuhalten oder ihnen den Kontakt zu erschweren.

Relevant sind ausschließlich Blut sowie Sperma, Vaginalsekret und Muttermilch. Im Haushalt bedeutet das lediglich: Rasierer und Zahnbürsten nicht teilen und bei stärkeren Blutungen Einmalhandschuhe benutzen, wie es bei jeder Wundversorgung sinnvoll ist. Mehr dazu unter Blutübertragung.

Was gilt, wenn wir eine Beziehung führen?

Bei erfolgreicher Therapie wird HIV sexuell nicht übertragen. Sobald die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt und dort bleibt, ist eine Übertragung beim Sex ausgeschlossen. Dieser Konsens wird als n=n bezeichnet und ist unter Nicht nachweisbar = nicht übertragbar ausführlich beschrieben. Bis die Therapie greift, und wenn Sie zusätzliche Sicherheit möchten, schützen Kondome zuverlässig, siehe Rund ums Kondom und Geschützter Geschlechtsverkehr.

Eine weitere Möglichkeit für den negativen Partner oder die negative Partnerin ist die medikamentöse Vorsorge, beschrieben unter PrEP: HIV-Präexpositionsprophylaxe. Ob sie sinnvoll ist, klären Sie am besten gemeinsam ärztlich. Auch ein Kinderwunsch ist unter erfolgreicher Therapie möglich, dazu mehr unter Kinderwunsch mit HIV.

Was, wenn ich selbst Angst habe, mich angesteckt zu haben?

Dann verschaffen Sie sich Klarheit, statt zu grübeln. Ein Test ist der einzige Weg dazu. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zu kennen, denn unmittelbar nach einem möglichen Risiko ist ein Test noch nicht aussagekräftig. Warum das so ist, erklärt der Beitrag Diagnostisches Fenster, die Verfahren selbst beschreibt Wie funktioniert der HIV-Antikörpertest. Wo Sie sich testen lassen können, auch anonym, steht unter Wo HIV-Test machen.

Lag ein konkretes Risiko erst wenige Stunden zurück, etwa nach einem Kondomriss oder einer Verletzung, gibt es eine medikamentöse Notfallbehandlung. Sie muss sehr schnell begonnen werden, Einzelheiten unter PEP als Sofortmaßnahme nach möglicher Infektion.

Wie unterstütze ich langfristig, ohne zu bevormunden?

Indem Sie Normalität anbieten und die Regie bei der betroffenen Person lassen. Hilfreich ist praktische Unterstützung: Begleitung zu Terminen, wenn sie gewünscht ist, gemeinsame Unternehmungen, Verlässlichkeit über die erste Zeit hinaus. Weniger hilfreich sind Ratschläge zu Therapie und Lebensführung oder das Nachfragen zu Laborwerten.

Ganz besonders gilt: Sie entscheiden nicht, wer davon erfährt. Eine HIV-Diagnose weiterzugeben, ist allein Sache der betroffenen Person. Überlegungen dazu haben wir unter Wem sage ich es? gesammelt. Informieren Sie sich gemeinsam, in welchen Situationen Schutz sinnvoll ist und wie er aussieht. Was die Diagnose heute für den Alltag bedeutet, beschreibt Mit HIV/AIDS leben. Beratung für Betroffene und Angehörige, auf Wunsch anonym, vermitteln die Stellen unter Beratungsstellen.

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