HIV-Test

Wie funktioniert der HIV-Antikörpertest?

Ein HIV-Test sucht nicht direkt nach dem Virus, sondern nach Spuren, die es im Blut hinterlässt. Die heute üblichen Labortests der 4. Generation weisen gleichzeitig Antikörper gegen HIV und ein Eiweiß des Virus selbst nach, das sogenannte p24-Antigen. Ist ein solcher Test 6 Wochen nach dem letzten Risikokontakt negativ, gilt eine HIV-Infektion als zuverlässig ausgeschlossen.

Falls Sie gerade auf ein Ergebnis warten oder überlegen, ob ein Test überhaupt nötig ist: Der Ablauf ist unspektakulär, und die Aussagekraft moderner Tests ist sehr hoch. Auf dieser Seite finden Sie in Ruhe erklärt, was im Labor passiert und wie Sie ein Ergebnis einordnen.

Was misst der Test eigentlich?

Der Test misst die Reaktion Ihres Immunsystems auf das Virus und, bei modernen Verfahren, zusätzlich einen Bestandteil des Virus. Nach einer Ansteckung beginnt der Körper, Antikörper gegen HIV zu bilden. Diese Eiweiße sind gewissermaßen der Abdruck, den der Erreger im Immunsystem hinterlässt. Sie sind allerdings nicht sofort da: Das Immunsystem braucht einige Wochen, bis es genug davon gebildet hat, um sie messbar zu machen.

Deshalb wurde der reine Antikörpertest weiterentwickelt. Tests der 4. Generation suchen parallel nach dem p24-Antigen, einem Kapselprotein des Virus, das schon deutlich früher im Blut auftaucht als die Antikörper. Diese Kombination verkürzt die Wartezeit erheblich. Wie HIV auf die Abwehr wirkt, ist ausführlicher unter HIV und das Immunsystem beschrieben.

Wie läuft die Untersuchung praktisch ab?

In aller Regel wird Ihnen Blut aus der Armvene abgenommen, so wie bei jeder anderen Blutuntersuchung auch. Die Probe geht in ein Labor, dort läuft der Suchtest maschinell. Je nach Einrichtung liegt das Ergebnis nach wenigen Stunden bis wenigen Werktagen vor.

Daneben gibt es Schnelltests, bei denen ein Tropfen Kapillarblut aus der Fingerkuppe genügt und das Ergebnis nach etwa 15 bis 30 Minuten ablesbar ist. Schnelltests sind bequem, brauchen aber meist länger bis zur sicheren Aussage als ein Labortest, weil viele von ihnen nur Antikörper nachweisen. Welche Anlaufstellen welche Verfahren anbieten, lesen Sie unter Wo kann ich einen HIV-Test machen?.

Kann ich nach zwei Wochen schon testen?

Testen können Sie, eine belastbare Entwarnung bekommen Sie so früh aber nicht. Ein negatives Ergebnis zwei Wochen nach dem Kontakt schließt eine Infektion nicht aus, weil weder Antigen noch Antikörper sicher nachweisbar sein müssen. Ein früher Test kann sinnvoll sein, wenn Sie eine bereits länger zurückliegende Ansteckung mitprüfen wollen, ersetzt aber nicht den späteren Kontrolltest.

Wenn der Risikokontakt erst wenige Stunden oder Tage her ist, geht es ohnehin um eine andere Frage: Dann ist zu klären, ob eine PEP als Sofortmaßnahme infrage kommt. Diese Notfallbehandlung muss so schnell wie möglich begonnen werden und ist nur in einem engen Zeitfenster nach dem Kontakt wirksam.

Welcher Test ist ab wann aussagekräftig?

Die folgende Übersicht fasst die gängigen Verfahren zusammen.

TestartWas wird nachgewiesenSicherer Ausschluss ab
Labortest 4. GenerationAntikörper und p24-Antigen6 Wochen nach Risikokontakt
HIV-Selbsttest für zu Hausenur Antikörper12 Wochen nach Risikokontakt
Schnelltest (nur Antikörper)nur Antikörper12 Wochen nach Risikokontakt
PCR / NukleinsäuretestErbmaterial des Virusschlägt früher an, aber kein Standard für den Ausschluss

Die PCR kann eine Infektion in Einzelfällen sehr früh sichtbar machen. Für die Frage „bin ich sicher nicht infiziert?“ ist sie trotzdem nicht das Mittel der Wahl, weil ein negatives Ergebnis hier weniger belastbar ist als bei den etablierten Suchtests. Hintergründe zu den Wartezeiten finden Sie unter Das diagnostische Fenster.

Was bedeutet es, wenn der Test anschlägt?

Ein Suchtest, der anschlägt, heißt reaktiv, nicht positiv. Das ist ein wichtiger Unterschied. Suchtests sind bewusst sehr empfindlich eingestellt, damit möglichst keine Infektion übersehen wird. Der Preis dafür ist, dass sie gelegentlich auch dann reagieren, wenn gar kein HIV vorliegt.

Deshalb folgt auf jeden reaktiven Suchtest ein andersartiger Bestätigungstest, üblicherweise aus einer zweiten, frisch entnommenen Blutprobe. Erst wenn dieser das Ergebnis bestätigt, spricht man von einer Diagnose. Was in dieser Zwischenzeit gilt und wie es weitergeht, ist unter Testergebnis: reaktiv beschrieben.

Was sagt ein negatives Ergebnis über die Zukunft aus?

Nichts. Ein negatives Ergebnis bezieht sich immer nur auf Kontakte, die zum Testzeitpunkt lang genug zurückliegen. Es ist keine Immunität und kein Schutz für kommende Situationen.

Wenn Sie regelmäßig Situationen mit Übertragungsrisiko haben, ist ein wiederholter Test in festen Abständen sinnvoll. Welche Kontakte überhaupt relevant sind und welche nachweislich kein Risiko bergen, ist unter Ansteckungsrisiken und Kein HIV-Risiko zusammengestellt. Zur Vorbeugung gehören geschützter Geschlechtsverkehr und, je nach Lebenssituation, die PrEP.

Und noch ein Punkt, der vielen die Angst nimmt: Eine früh erkannte HIV-Infektion ist heute gut behandelbar. Unter wirksamer Therapie ist das Virus in der Regel nicht mehr nachweisbar und damit auch nicht mehr übertragbar, siehe Nicht nachweisbar = nicht übertragbar. Ein Test ist deshalb kein Risiko, sondern der Weg zu Klarheit.

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