Leben mit HIV

Mit HIV/AIDS leben

Mit einer HIV-Infektion lässt sich heute lange und gut leben. Wer die Infektion rechtzeitig erkennt und behandeln lässt, hat nach heutigem Kenntnisstand eine Lebenserwartung, die der von Menschen ohne HIV nahekommt. Heilbar ist HIV weiterhin nicht, aber es ist eine behandelbare, chronische Infektion geworden.

Wie lange kann man mit HIV oder AIDS leben?

Deutlich länger, als viele annehmen. Die verfügbaren Medikamente unterdrücken die Vermehrung des HI-Virus im Körper so wirksam, dass das Immunsystem sich erholt und stabil bleibt. Die Voraussetzung ist, dass die Therapie dauerhaft und zuverlässig eingenommen wird. Wie die Behandlung wirkt, beschreiben die Beiträge Was sind ART und HAART und Medikament gegen HIV/AIDS.

Die individuellen Aussichten sind unterschiedlich. Sie hängen unter anderem davon ab, wie früh die Infektion entdeckt wurde, in welchem Zustand das Immunsystem zu Beginn der Behandlung war und ob weitere Erkrankungen vorliegen. Deshalb ist der Zeitpunkt der Diagnose so wichtig. Wer früh weiß, dass er infiziert ist, kann früh behandeln lassen. Zur Frage des Behandlungsbeginns siehe Wann mit einer HIV-Therapie beginnen.

Eines gilt weiterhin: HIV ist nicht heilbar. Die Therapie ist eine dauerhafte Behandlung, die nicht eigenmächtig unterbrochen werden sollte. Was das Virus im Körper anrichtet, wenn es unbehandelt bleibt, erklärt der Beitrag HIV und das Immunsystem.

Wie sieht die Behandlung im Alltag aus?

Für die meisten Menschen unauffälliger, als es früher der Fall war. In der Regel geht es um eine Tablette täglich, teils auch um Kombinationspräparate oder um Spritzen in größeren Abständen. Frühere Therapien waren aufwendiger und belastender. Nebenwirkungen kommen weiterhin vor, sind aber häufig mild oder lassen sich durch einen Wechsel des Präparats beheben. Sprechen Sie Beschwerden in der Schwerpunktpraxis an, statt die Behandlung selbst zu verändern.

Der wichtigste Punkt im Alltag ist die Regelmäßigkeit. Die Therapie wirkt dann am besten, wenn sie ohne größere Lücken eingenommen wird. Hilfreich ist, die Einnahme fest mit einer täglichen Gewohnheit zu verbinden, etwa dem Zähneputzen, und einen kleinen Vorrat für unvorhergesehene Situationen bereitzuhalten. Wenn eine Dosis einmal vergessen wurde, ist das kein Grund zur Panik, sollte aber beim nächsten Termin angesprochen werden.

Dazu gehören regelmäßige Kontrolltermine, bei denen Viruslast und Immunwerte bestimmt werden. Diese Termine sind der eigentliche Kern der Behandlung, weil sie zeigen, ob die Therapie wirkt. Die Kosten trägt in Deutschland die Krankenversicherung, Einzelheiten dazu unter Behandlungskosten.

Kann ich HIV noch übertragen, wenn ich behandelt werde?

Bei erfolgreicher Therapie nicht. Sinkt die Viruslast unter die Nachweisgrenze und bleibt sie dort, wird HIV sexuell nicht übertragen. Dieser Zusammenhang wird als n=n beschrieben, also nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar, und ist wissenschaftlicher Konsens. Ausführlich dargestellt ist er unter Nicht nachweisbar = nicht übertragbar.

Für Beziehungen und Sexualität bedeutet das eine grundlegende Veränderung. Kondome bleiben sinnvoll, weil sie zusätzlich vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützen. Was sie leisten, steht unter Rund ums Kondom und Geschützter Geschlechtsverkehr. Auch ein Kinderwunsch ist unter erfolgreicher Therapie möglich, dazu mehr unter Kinderwunsch mit HIV und Schwangerschaft, Geburt und beim Stillen.

Was ändert sich für Beruf, Reisen und Alltag?

Weniger, als viele befürchten. Am Arbeitsplatz besteht kein Übertragungsrisiko, und eine allgemeine Pflicht, den Arbeitgeber zu informieren, gibt es nicht. Die Einzelheiten stehen unter Keine HIV-Übertragung am Arbeitsplatz und HIV und Arbeitsrecht. Auch die häufige Verwechslung von HIV-Infektion und AIDS-Erkrankung führt im Beruf zu Fehleinschätzungen, dazu HIV-positiv ist nicht gleich AIDS-krank.

Reisen sind möglich, brauchen aber etwas Vorbereitung, vor allem bei der Mitnahme der Medikamente und bei den Einreisebestimmungen einzelner Länder. Eine Übersicht gibt der Beitrag Reisen mit HIV. Im Übrigen gelten dieselben Empfehlungen wie für alle: Schlaf, Bewegung, Impfschutz und der Verzicht aufs Rauchen wirken sich bei HIV besonders deutlich aus, weil sie Begleiterkrankungen vorbeugen.

Wie geht man mit der psychischen Belastung um?

Die Diagnose ist ein Einschnitt, und es ist normal, Zeit zu brauchen. Belastend ist häufig weniger die Infektion selbst als die Sorge vor Reaktionen des Umfelds. Es hilft, das Thema nicht allein mit sich auszumachen. Psychologische Unterstützung, Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen sind wirksame Wege, und keiner davon ist ein Zeichen von Schwäche.

Wem Sie von der Diagnose erzählen, entscheiden Sie selbst und in Ihrem Tempo. Überlegungen dazu haben wir unter Wem sage ich es? gesammelt. Angehörige und Freunde finden Anregungen unter Positiv! Was kann ich tun?. Beratung, auch anonym, vermitteln die Stellen unter Beratungsstellen. Wer nach der Diagnose die nächsten praktischen Schritte sucht, findet sie unter Testergebnis reaktiv.

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