Schutz und Vorbeugung
Rund ums Kondom
Das Kondom ist bei korrekter Anwendung ein sehr wirksamer Schutz vor HIV und schützt zugleich vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen sowie vor einer ungewollten Schwangerschaft. Fast alle Pannen gehen auf Anwendungsfehler zurück, nicht auf Materialmängel. Wer Größe, Handhabung und Gleitmittel im Griff hat, hat den Schutz im Griff.
Worauf muss ich beim Kauf achten?
Kaufen Sie Markenkondome mit Prüfsiegel, und zwar dort, wo eine sachgerechte Lagerung gewährleistet ist: in Apotheken, Drogerien, Supermärkten oder im Fachhandel. Achten Sie auf das Verfallsdatum, denn Latex altert.
Lagern Sie Kondome kühl, trocken und lichtgeschützt. Das Handschuhfach eines Autos, die Gesäßtasche oder ein Portemonnaie, in dem die Packung dauerhaft geknickt wird, sind ungeeignet. Nehmen Sie das Kondom erst kurz vor dem Gebrauch aus der Verpackung. Harte, brüchige oder klebrige Kondome sowie solche aus beschädigten Verpackungen gehören in den Müll. Auf Reisen lohnt es sich, eigene Kondome mitzunehmen, weil die Qualitätsstandards nicht in allen Ländern gleich sind.
Welche Kondomgröße ist die richtige?
Die richtige Größe ist die, die fest sitzt, ohne einzuschnüren, und sich vollständig abrollen lässt. Ausschlaggebend ist die nominale Breite, also die Breite des flach liegenden Kondoms, nicht die Länge.
Ein zu enges Kondom reißt leichter und drückt, ein zu weites rutscht ab. Beides sind die häufigsten Ursachen für Pannen. Weil die Bezeichnungen der Hersteller nicht einheitlich sind, hilft nur Ausprobieren. Es gibt Kondome in vielen Breiten, Stärken und Oberflächen sowie latexfreie Varianten aus Polyisopren oder Polyurethan für Menschen mit einer Latexallergie. Nehmen Sie sich die Zeit, ein paar Sorten zu testen, am besten in Ruhe und ohne Situationsdruck.
Wie wende ich ein Kondom richtig an?
Schritt für Schritt, jedes Mal gleich:
- Packung vorsichtig an der gezackten Kante aufreißen. Nicht mit den Zähnen, und auf lange oder scharfe Fingernägel achten.
- Das Kondom richtig herum halten. Der Rollrand muss außen liegen, sonst lässt es sich nicht abrollen.
- Falls Sie es verkehrt herum angesetzt haben: nicht umdrehen, sondern ein neues nehmen. An der Außenseite kann bereits Flüssigkeit haften.
- Das Reservoir an der Spitze zwischen zwei Finger nehmen, damit keine Luftblase entsteht.
- Das Kondom auf dem steifen Glied bis zum Ansatz abrollen, vor jedem Kontakt mit Schleimhäuten.
- Bei Bedarf Gleitmittel von außen auftragen.
- Nach dem Samenerguss das Glied zurückziehen, solange es noch steif ist, und dabei das Kondom am Ring festhalten.
- Das Kondom vom Körper weg abstreifen und im Hausmüll entsorgen, nicht in der Toilette.
Jedes Kondom wird nur ein einziges Mal benutzt. Bei einem Wechsel der Praktik oder der Partnerin oder des Partners nehmen Sie ein neues.
Welches Gleitmittel darf ich verwenden?
Wasserbasierte oder silikonbasierte Gleitmittel. Fetthaltige Produkte wie Öle, Vaseline, Massageöl, Butter oder Körperlotion zerstören Latex und machen das Kondom undicht, oft ohne sichtbare Spuren.
Gleitmittel ist kein Zubehör für Fortgeschrittene, sondern senkt die Reibung und damit die häufigste Ursache für gerissene Kondome. Es gibt trockene und bereits befeuchtete Kondome, zusätzliches Gleitmittel ist trotzdem oft sinnvoll. Beim Analverkehr ist es praktisch immer nötig, weil der Enddarm keine eigene Feuchtigkeit bildet und die Schleimhaut leicht verletzt wird. Beim Vaginalverkehr hilft es, wenn die Scheide nicht ausreichend feucht wird. Silikonbasierte Gleitmittel sind ergiebiger, aber nicht für Sexspielzeug aus Silikon geeignet.
Was tun, wenn das Kondom reißt oder abrutscht?
Zügig handeln, denn es gibt eine wirksame Notfallmaßnahme, die aber nur in einem engen Zeitfenster wirkt.
- Unterbrechen Sie den Verkehr und ziehen Sie sich zurück. Merken Sie sich die Uhrzeit.
- Keine Spülungen der Scheide oder des Enddarms. Sie schützen nicht und können die Schleimhaut zusätzlich verletzen.
- Wenden Sie sich möglichst innerhalb von 24 Stunden an eine HIV-Schwerpunktpraxis, eine Klinikambulanz oder eine Notaufnahme. Nach 48 bis 72 Stunden ist eine Behandlung meist nicht mehr sinnvoll.
- Dort wird geprüft, ob eine PEP als Sofortmaßnahme angezeigt ist.
- Denken Sie auch an eine mögliche Schwangerschaft und an andere Infektionen, und lassen Sie sich später zum passenden Zeitpunkt testen.
Die einzelnen Schritte beschreibt der Beitrag Erste Hilfe nach einem Kondomunfall. Wann ein Test aussagekräftig ist, erklärt das diagnostische Fenster.
Wie spreche ich das Thema an?
Am besten vorher, in einem ruhigen Moment. Wer das Kondom erst im Bett zur Sprache bringt, muss über etwas verhandeln, das gerade stört. Vorher ist es eine sachliche Absprache.
Wenn der Umgang mit Kondomen ungewohnt ist, lassen Sie sich Zeit. Unsicherheit und Stress führen manchmal dazu, dass das Glied vorzeitig erschlafft und das Kondom abrutscht oder sich gar nicht erst abrollen lässt. Das ist kein Versagen, sondern eine normale körperliche Reaktion. Setzen Sie sich nicht unter Druck, beziehen Sie das Kondom in das Liebesspiel ein und üben Sie ruhig einmal ohne Sex. Wenn das Kondom für Sie dauerhaft keine gute Lösung ist, sprechen Sie über die anderen Wege des geschützten Geschlechtsverkehrs oder lassen Sie sich bei einer der Beratungsstellen kostenlos und auf Wunsch anonym beraten.
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