Leben mit HIV

Reisen mit HIV: Medikamente, Einreise und Versicherung

Reisen ist mit HIV grundsätzlich möglich, sowohl beruflich als auch privat. Nötig ist etwas mehr Vorbereitung als sonst: Die Medikamente müssen sicher mitgeführt werden, der Impfschutz sollte geprüft sein, und für einzelne Länder gelten weiterhin besondere Einreisebestimmungen für Menschen mit HIV. Planen Sie diese Punkte einige Wochen vor der Abreise ein.

Muss ich vor der Reise etwas Besonderes klären?

Ja, am besten in einem Termin in Ihrer Schwerpunktpraxis. Dort lässt sich klären, ob Ihre aktuellen Werte für die geplante Reise unproblematisch sind, welche Impfungen sinnvoll oder notwendig sind und welche davon bei Ihrem Immunstatus überhaupt in Frage kommen. Bestimmte Lebendimpfstoffe werden je nach Immunlage anders bewertet, das lässt sich nicht pauschal beantworten.

Besprechen Sie im selben Termin auch die Malariavorsorge, wenn sie für das Reiseziel relevant ist, sowie mögliche Wechselwirkungen zwischen Reisemedikamenten und Ihrer HIV-Therapie. Solche Wechselwirkungen sind der häufigste vermeidbare Fehler bei Reisen. Grundlagen zur Therapie finden Sie unter Was sind ART und HAART und Medikament gegen HIV/AIDS.

Wie nehme ich meine Medikamente sicher mit?

Immer im Handgepäck und immer mit Reserve. Aufgegebenes Gepäck kann verspätet ankommen oder verloren gehen, und eine Unterbrechung der Therapie sollte unbedingt vermieden werden. Sinnvoll ist, deutlich mehr mitzunehmen, als für die geplante Reisedauer nötig wäre, damit auch eine verlängerte Rückreise abgedeckt ist.

Führen Sie die Medikamente möglichst in der Originalverpackung mit. Hilfreich ist eine ärztliche Bescheinigung, idealerweise auf Englisch, die bestätigt, dass Sie die Präparate für den persönlichen Bedarf benötigen. Viele Betroffene lassen sich die Bescheinigung ohne Nennung der Diagnose ausstellen, mit Angabe der Wirkstoffe. Denken Sie außerdem an die Lagerung: Manche Präparate vertragen große Hitze schlecht und sollten nicht im Auto oder in der direkten Sonne bleiben.

Bei Zeitverschiebung ist die Einnahme im Voraus zu planen. Lassen Sie sich in der Praxis oder Apotheke erklären, wie Sie den Einnahmezeitpunkt schrittweise anpassen, statt improvisiert eine Dosis auszulassen.

Gibt es Länder, in die ich mit HIV nicht einreisen darf?

Einzelne Länder kennen weiterhin Beschränkungen für Menschen mit HIV. Diese betreffen häufig nicht den touristischen Kurzaufenthalt, sondern längere Aufenthalte, Arbeitsvisa oder Studienaufenthalte, bei denen ein Gesundheitszeugnis oder ein HIV-Test verlangt werden kann. In manchen Fällen kann auch das Mitführen von HIV-Medikamenten Fragen aufwerfen.

Verlässliche Angaben dazu können sich ändern, weshalb wir hier bewusst keine Länderliste führen. Prüfen Sie die Lage kurz vor der Reise selbst und über verlässliche Quellen: Die Deutsche Aidshilfe pflegt Informationen zu Einreisebestimmungen für Menschen mit HIV, das Auswärtige Amt informiert zu Reise- und Sicherheitshinweisen, und verbindliche Auskunft gibt die Botschaft oder das Konsulat des Ziellandes. Bei längeren Aufenthalten oder einer Entsendung durch den Arbeitgeber lohnt sich zusätzlich eine Beratung durch eine Aidshilfe. Kontakte finden Sie unter Beratungsstellen.

Wenn eine Reise in Zusammenhang mit einer beruflichen Entsendung steht, ist auch der arbeitsrechtliche Rahmen relevant. Eine allgemeine Pflicht, den Arbeitgeber über eine HIV-Infektion zu informieren, besteht nicht, mehr dazu unter HIV und Arbeitsrecht. Rechtsberatung ersetzt diese Seite nicht.

Was gilt für Versicherung und medizinische Versorgung vor Ort?

Klären Sie den Versicherungsschutz vor der Buchung. Auslandskrankenversicherungen schließen vorbestehende Erkrankungen teilweise aus oder behandeln sie unterschiedlich. Fragen Sie deshalb konkret nach, welche Leistungen im Zusammenhang mit einer bestehenden chronischen Erkrankung abgedeckt sind, und lassen Sie sich die Auskunft schriftlich geben.

Informieren Sie sich außerdem, wie die Versorgung am Zielort aussieht. Für längere Aufenthalte ist es sinnvoll, vorab eine Klinik oder Praxis zu recherchieren, die HIV behandelt. Notieren Sie die Wirkstoffnamen Ihrer Präparate, nicht nur die Handelsnamen, da diese international abweichen. Wie die Kostenübernahme in Deutschland geregelt ist, beschreibt der Beitrag Behandlungskosten.

Worauf sollte ich unterwegs achten?

Auf die Einnahmedisziplin, in erster Linie. Reisen bringen unregelmäßige Tagesabläufe mit sich, und genau das ist der häufigste Grund für vergessene Dosen. Ein Wecker im Telefon und eine feste Verknüpfung mit einer täglichen Routine helfen zuverlässiger als der Vorsatz, daran zu denken.

Für Sexualität unterwegs gelten dieselben Grundlagen wie zu Hause. Bei erfolgreicher Therapie mit nicht nachweisbarer Viruslast wird HIV sexuell nicht übertragen, siehe Nicht nachweisbar = nicht übertragbar. Kondome schützen zusätzlich vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen, die auf Reisen eine Rolle spielen können, dazu Rund ums Kondom und Geschützter Geschlechtsverkehr. Nehmen Sie Kondome mit, da Verfügbarkeit und Qualität nicht überall gleich sind.

Wichtig ist auch: Der Alltag im Hotel, in Verkehrsmitteln oder in Gemeinschaftsunterkünften birgt kein Übertragungsrisiko für andere. Eine Übersicht dazu bietet Kein HIV-Risiko.

Was tue ich, wenn unterwegs etwas passiert?

Bei Verlust der Medikamente wenden Sie sich möglichst schnell an eine Apotheke oder Klinik vor Ort und legen Ihre ärztliche Bescheinigung mit den Wirkstoffnamen vor. Halten Sie parallel Kontakt zu Ihrer Praxis in Deutschland, die per Telefon oder Mail weiterhelfen kann. Deshalb ist es sinnvoll, deren Kontaktdaten getrennt vom Handy zu notieren.

Kommt es zu einer Verletzung mit Blutkontakt oder zu einem Risikokontakt, gelten dieselben Regeln wie zu Hause: Eine Notfallbehandlung ist möglich, muss aber sehr schnell beginnen. Einzelheiten stehen unter PEP als Sofortmaßnahme nach möglicher Infektion und, für Stichverletzungen, unter Sofortmaßnahmen bei Nadelstichverletzungen. Was eine Reise sonst im Alltag mit HIV bedeutet, ordnet der Beitrag Mit HIV/AIDS leben ein.

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