Behandlung und Therapie

Medikament gegen HIV/AIDS

Ein Medikament, das HIV vollständig aus dem Körper entfernt, gibt es bis heute nicht. Es gibt aber eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die die Vermehrung des Virus so wirksam unterdrücken, dass die Infektion nicht mehr fortschreitet. Eine HIV-Infektion ist damit nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar.

In Deutschland sind über 30 Präparate zugelassen, die sich zu individuell passenden Kombinationen zusammenstellen lassen. Betrachtet man, dass die Erkrankung erst seit 1981 bekannt ist, gehört die HIV-Therapie zu den größten Fortschritten der modernen Medizin: Aus einer tödlich verlaufenden Erkrankung ist eine behandelbare chronische Infektion geworden.

Warum lässt sich HIV nicht einfach abtöten?

Weil das Virus seine Erbinformation dauerhaft in das Erbgut menschlicher Zellen einbaut. HIV gehört zu den Retroviren, die genau diese Fähigkeit besitzen. Was das bedeutet, erklärt der Beitrag Was ist ein Retrovirus?.

Ein Teil dieser infizierten Zellen geht in eine Art Ruhezustand über und produziert vorübergehend keine neuen Viren. Medikamente können solche schlafenden Zellen nicht erkennen, denn sie greifen nur aktive Vermehrungsschritte an. Diese Reservoire sind der Hauptgrund, warum das Virus nach Absetzen der Therapie zurückkehrt und warum eine Heilung bislang nicht gelungen ist.

Was leisten die verfügbaren Medikamente stattdessen?

Sie unterbrechen den Vermehrungszyklus des Virus an mehreren Stellen gleichzeitig. Dazu werden Wirkstoffe verschiedener Klassen kombiniert, was unter ART und HAART genauer beschrieben ist.

WirkstoffklasseAnsatzpunkt
Entry- und Attachment-InhibitorenAndocken und Eintritt in die Zelle
NRTI und NNRTIUmschreiben der viralen Erbinformation
Integrase-InhibitorenEinbau in das Erbgut der Wirtszelle
ProteasehemmerReifung neuer Viruspartikel

Wird die Vermehrung an mehreren Punkten gleichzeitig blockiert, sinkt die Zahl der Viren im Blut innerhalb weniger Wochen bis Monate unter die Nachweisgrenze. Das Virus ist dann weiterhin im Körper vorhanden, richtet aber keinen weiteren Schaden am Immunsystem an.

Warum gibt es keinen Impfstoff?

Weil sich HIV zu schnell verändert und weil eine natürliche Immunität, an der sich ein Impfstoff orientieren könnte, nicht existiert. Bei anderen Infektionen heilt das Immunsystem die Erkrankung aus und hinterlässt einen Schutz, den eine Impfung nachahmen kann. Bei HIV gelingt dem Immunsystem diese Kontrolle nicht.

Hinzu kommt die enorme Variabilität des Virus: Weltweit zirkulieren zahlreiche Subtypen, und selbst innerhalb einer einzelnen infizierten Person entstehen fortlaufend neue Varianten. Ein Impfstoff müsste diese Vielfalt abdecken. Verschiedene Ansätze werden erforscht, ein zugelassener Impfstoff steht jedoch nicht zur Verfügung. Für den Schutz vor einer Infektion sind deshalb weiterhin die PrEP und, nach einem Risikokontakt, die PEP als Sofortmaßnahme die entscheidenden medizinischen Werkzeuge.

Wie stark sind die Nebenwirkungen heute?

Deutlich schwächer als in den ersten Jahrzehnten der Therapie. Die frühen Substanzen waren häufig schlecht verträglich und mussten in vielen Einzeldosen über den Tag verteilt eingenommen werden. Das prägt bis heute das Bild, das viele Menschen von der HIV-Behandlung haben.

Moderne Kombinationspräparate werden meist einmal täglich eingenommen und von den meisten Menschen gut vertragen. Beschwerden treten am ehesten in den ersten Wochen auf und lassen häufig wieder nach. Falls nicht, lässt sich die Kombination fast immer umstellen. Wichtig ist, Nebenwirkungen in der Schwerpunktpraxis anzusprechen, statt die Medikamente eigenmächtig abzusetzen, denn Einnahmelücken begünstigen Resistenzen.

Was bedeutet das für die Lebenserwartung?

Bei rechtzeitigem Therapiebeginn ist die Lebenserwartung heute annähernd normal. Entscheidend ist, dass die Infektion erkannt und behandelt wird, bevor das Immunsystem stark geschädigt ist. Genau deshalb ist ein früher HIV-Test nach einem Risikokontakt so wichtig.

Unter wirksamer Therapie erholt sich die Zahl der T-Helferzellen, und schwere opportunistische Erkrankungen bleiben aus. Der Unterschied zwischen einer behandelten HIV-Infektion und dem Krankheitsbild AIDS ist unter Unterschied zwischen HIV und AIDS beschrieben. Zugleich wird das Virus bei dauerhaft nicht nachweisbarer Viruslast sexuell nicht übertragen, siehe Nicht nachweisbar, nicht übertragbar.

Woran forscht die Medizin aktuell?

An drei Zielen: an einer echten Heilung, an einem Impfstoff und an einer weiteren Vereinfachung der Behandlung. Beim letzten Punkt sind die Fortschritte bereits im Alltag angekommen, etwa in Form langwirksamer Depotspritzen, die nur in mehrwöchigem Abstand verabreicht werden müssen.

Bei der Heilung zielen Forschungsansätze darauf, die ruhenden Virusreservoire aufzuspüren und zu beseitigen. Einzelne Menschen gelten nach sehr aufwendigen Stammzelltransplantationen, die aus anderen medizinischen Gründen nötig waren, als geheilt. Dieses Verfahren ist mit erheblichen Risiken verbunden und eignet sich nicht als allgemeine Behandlung. Für die Praxis gilt deshalb weiterhin: Frühe Diagnose und konsequente Therapie sind der Weg, mit HIV gut und lange zu leben. Was das im Alltag bedeutet, lesen Sie unter Mit HIV/AIDS leben.

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