Sofortmaßnahmen

Ich hatte ein Risiko, was soll ich jetzt tun?

Wenn das mögliche Risiko weniger als 48 Stunden zurückliegt, ist die wichtigste Frage, ob eine PEP für Sie infrage kommt. Klären Sie das noch heute in einer Notaufnahme, einer HIV-Schwerpunktpraxis oder einer Infektionsambulanz. Liegt das Ereignis länger zurück, ist nichts verloren, dann geht es um den richtigen Testzeitpunkt und um eine ruhige Einordnung des tatsächlichen Risikos.

In welcher Reihenfolge soll ich vorgehen?

Halten Sie sich an diese vier Schritte, dann übersehen Sie nichts Wichtiges:

  1. Prüfen, wie viele Stunden seit dem Ereignis vergangen sind. Unter 48 Stunden bedeutet: heute ärztlich abklären lassen
  2. Einordnen, was genau passiert ist und ob überhaupt ein realistischer Übertragungsweg vorlag
  3. Bis zur Klärung nur geschützten Geschlechtsverkehr haben
  4. Den passenden Testzeitpunkt festlegen und den Termin fest einplanen

Alles andere, auch das Grübeln über die Umstände, kann warten. Die ersten beiden Punkte sind zeitkritisch, die anderen nicht.

War das überhaupt ein echtes Risiko?

Häufig nicht. Viele Situationen, die im Nachhinein Angst machen, tragen kein HIV-Risiko. Das Virus wird nicht über Speichel, Haut, Toilettensitze, Geschirr, Handtücher oder Insektenstiche übertragen. Auch Küssen gehört nicht dazu, ebenso wenig Umarmen oder gemeinsames Baden. Eine geordnete Übersicht bietet die Seite kein HIV-Risiko.

Ein relevantes Risiko besteht vor allem bei ungeschütztem Analverkehr oder Vaginalverkehr mit einer Person, die HIV-positiv ist und keine wirksame Therapie erhält oder deren Status unbekannt ist, sowie bei gemeinsam genutztem Spritzbesteck, siehe Spritzen von Drogen. Beim Oralverkehr ist das Risiko sehr gering. Nimmt die andere Person HIV-Medikamente und hat eine dauerhaft nicht nachweisbare Viruslast, ist HIV nicht übertragbar, wie unter nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar beschrieben.

Ist es nach 40 Stunden noch sinnvoll, in die Notaufnahme zu gehen?

Ja. Innerhalb von 48 Stunden liegen Sie im regulären Zeitfenster für eine PEP. In begründeten Ausnahmefällen kann sie bis zu 72 Stunden nach dem Ereignis begonnen werden. Je früher, desto besser, deshalb ist auch die Nacht kein Grund zu warten. Notaufnahmen sind durchgehend besetzt.

Die Entscheidung trifft immer die Ärztin oder der Arzt nach einer individuellen Risikobewertung. Auch wenn das Ergebnis lautet, dass keine PEP nötig ist, haben Sie danach Klarheit und einen Plan für die Nachsorge. Genau das nimmt oft den größten Druck.

Wann ist ein HIV-Test aussagekräftig?

Nicht sofort. Nach einer Infektion vergeht Zeit, bis ein Test anschlägt, das sogenannte diagnostische Fenster. Ein Labortest der vierten Generation gilt in der Regel sechs Wochen nach dem Risiko als verlässlich. Ein negatives Ergebnis vor Ablauf dieser Frist sagt wenig aus, ein Test kurz nach dem Ereignis dokumentiert lediglich Ihren Ausgangsstatus.

Selbsttests für zu Hause brauchen einen deutlich längeren Abstand zum Risiko, dazu informiert die Seite Heimtest. Wo Sie sich testen lassen können, auch anonym und kostengünstig, steht unter wo einen HIV-Test machen. Wenn Sie eine PEP eingenommen haben, gelten eigene Testzeitpunkte, die Ihnen die betreuende Praxis nennt.

Sind Symptome ein verlässliches Zeichen?

Nein, und das ist ein häufiger Irrtum. Halsschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit oder Hautausschlag können bei einer frischen HIV-Infektion auftreten, sie treten aber genauso bei einem gewöhnlichen Infekt auf. Umgekehrt verläuft die akute Phase bei vielen Menschen völlig unbemerkt.

Aus Symptomen lässt sich also weder eine Infektion ableiten noch eine ausschließen. Was tatsächlich passiert, beschreiben die Seiten Symptome der Infektion und HIV und das Immunsystem. Verlassen Sie sich auf den Test zum richtigen Zeitpunkt, nicht auf Ihre Selbstbeobachtung.

Wer nach einem Risiko angespannt ist, beobachtet den eigenen Körper zudem viel genauer als sonst. Geschwollene Lymphknoten, ein trockener Hals oder Müdigkeit fallen plötzlich auf, obwohl sie zuvor unbemerkt geblieben wären. Auch Angst selbst erzeugt körperliche Beschwerden. Das ist ein bekanntes Muster und kein Hinweis auf eine Infektion.

Muss ich jemanden informieren?

Solange nichts geklärt ist, besteht keine Notwendigkeit dazu. Sollte sich später tatsächlich eine Infektion bestätigen, ist es sinnvoll, Sexualpartner zu informieren, damit auch sie sich testen lassen können. Die Beratungsstellen und Praxen unterstützen dabei und kennen Wege, das auf Wunsch anonym zu tun.

Umgekehrt kann es hilfreich sein, die andere beteiligte Person nach ihrem HIV-Status zu fragen, sofern das möglich und angemessen ist. Eine klare Antwort erspart Ihnen im günstigen Fall die gesamte Unsicherheit. Ist die Person HIV-positiv und in Behandlung mit nicht nachweisbarer Viruslast, bestand von vornherein kein Übertragungsrisiko.

Wie komme ich durch die Wartezeit?

Sprechen Sie mit jemandem darüber. Die Beratungsstellen der Aidshilfen und die Gesundheitsämter beraten kostenfrei, auf Wunsch anonym und auch telefonisch. Dort lässt sich innerhalb weniger Minuten klären, ob überhaupt ein Risiko vorlag und welcher Testzeitpunkt für Sie sinnvoll ist.

Sinnvoll ist außerdem, sich einen festen Termin für den Test zu notieren und die Recherche bis dahin einzustellen. Wiederholtes Suchen nach Symptomen verstärkt die Angst, ohne neue Erkenntnisse zu bringen. Und für die Zukunft: Wenn Sie häufiger in Situationen mit erhöhtem Risiko kommen, kann die PrEP eine planbare Alternative zur wiederholten Notfallmaßnahme sein.

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