HIV-Test
Heimtest: der HIV-Selbsttest für zu Hause
HIV-Selbsttests für die Anwendung zu Hause sind in Deutschland seit 2018 frei erhältlich, unter anderem in Apotheken. Sie weisen ausschließlich Antikörper nach und sind deshalb erst 12 Wochen nach dem letzten Risikokontakt aussagekräftig. Ein Selbsttest ist immer ein Suchtest: Schlägt er an, ist das noch keine Diagnose, sondern der Anlass für einen Labortest.
Damit ist die frühere Rechtslage überholt. Lange Zeit waren solche Tests hierzulande für medizinische Laien nicht zugelassen, entsprechende ältere Hinweise finden sich noch an vielen Stellen im Netz. Zugelassene Selbsttests tragen heute eine CE-Kennzeichnung und sind ausdrücklich für die Eigenanwendung vorgesehen.
Wie zuverlässig ist ein Selbsttest wirklich?
Zugelassene Selbsttests sind bei korrekter Anwendung und eingehaltener Wartezeit zuverlässig. Die Einschränkungen liegen weniger im Test selbst als in den Umständen seiner Anwendung.
Ein Selbsttest wird ohne Anleitung durchgeführt, oft in einer angespannten Situation. Angst, Unsicherheit und Hektik führen dazu, dass Schritte übersprungen, Wartezeiten nicht eingehalten oder schwach sichtbare Linien falsch gedeutet werden. Genau hier entstehen die meisten Fehler. Lesen Sie die Packungsbeilage deshalb vollständig durch, bevor Sie beginnen, und halten Sie sich exakt an die angegebene Ablesezeit. Ein Ergebnis, das viel später abgelesen wird, ist nicht mehr gültig.
Achten Sie außerdem auf die Bezugsquelle. Bei Tests aus unklaren Internetquellen lässt sich weder die Zulassung noch die Lagerung nachvollziehen. Ein Produkt mit CE-Kennzeichnung aus einer Apotheke ist die sicherere Wahl.
Warum muss ich 12 Wochen warten, im Labor aber nur 6?
Weil beide Tests nach Unterschiedlichem suchen. Der Selbsttest weist nur Antikörper nach, die Ihr Immunsystem gegen HIV bildet. Bis davon genug vorhanden sind, können bis zu 12 Wochen vergehen.
Labortests der 4. Generation suchen zusätzlich nach dem p24-Antigen, einem Bestandteil des Virus, der viel früher im Blut auftaucht. Deshalb schließt ein negativer Labortest eine Infektion bereits 6 Wochen nach dem Risikokontakt zuverlässig aus. Wie das im Detail funktioniert, steht unter Wie funktioniert der HIV-Antikörpertest? und Das diagnostische Fenster.
| Testart | Nachweis | Aussagekräftig ab |
|---|---|---|
| HIV-Selbsttest für zu Hause | nur Antikörper | 12 Wochen |
| Labortest 4. Generation | Antikörper und p24-Antigen | 6 Wochen |
| PCR / Nukleinsäuretest | Erbmaterial des Virus | früher möglich, kein Standard für den Ausschluss |
Was mache ich, wenn der Selbsttest reaktiv ist?
Ein reaktiver Selbsttest bedeutet zunächst nur: Es muss weiter untersucht werden. Suchtests sind absichtlich sehr empfindlich eingestellt, damit keine Infektion übersehen wird. Dadurch schlagen sie gelegentlich auch ohne HIV-Infektion an. Ein reaktives Ergebnis muss immer durch einen andersartigen Bestätigungstest aus einer neuen Blutprobe im Labor abgesichert werden.
Gehen Sie dafür in eine Arztpraxis, zum Gesundheitsamt oder in eine Beratungsstelle. Warten Sie nicht damit, und wiederholen Sie stattdessen nicht einfach den Selbsttest, denn ein zweiter Selbsttest liefert keine zusätzliche Sicherheit. Was in dieser Zwischenzeit gilt, ist unter Testergebnis: reaktiv beschrieben. Anlaufstellen finden Sie unter Wo kann ich einen HIV-Test machen? und über die Beratungsstellen.
Selbsttest oder lieber gleich ins Labor?
Beides hat seinen Platz. Für den Selbsttest spricht die Niedrigschwelligkeit: kein Termin, keine Wartezeit, keine Gespräche, wenn Sie das nicht möchten. Das ist für manche Menschen der einzige Weg, überhaupt Klarheit zu suchen, und deshalb wertvoll.
Für den Labortest sprechen die kürzere Wartezeit von 6 statt 12 Wochen, die begleitende Beratung und der Umstand, dass ein reaktives Ergebnis direkt weiterverfolgt werden kann. Wenn Sie ohnehin unsicher sind oder starke Sorgen haben, ist der Weg über eine Beratungsstelle oder Arztpraxis in der Regel der ruhigere.
Beeinflussen Drogen oder Alkohol das Testergebnis?
Nein. Weder Alkohol noch Cannabis, Stimulanzien oder Opioide verfälschen einen HIV-Test. Der Test misst Antikörper beziehungsweise Antigene, und diese Messung wird durch Substanzkonsum nicht gestört. Auch eine Substitutionsbehandlung hat keinen Einfluss auf das Ergebnis. Sie müssen vor einem Test also nichts absetzen und nichts verschweigen.
Wichtig ist etwas anderes: Der gemeinsame Gebrauch von Spritzen, Nadeln, Filtern oder Löffeln ist ein realer Übertragungsweg, weil dabei Blut übertragen wird, siehe Blutübertragung. Wer Spritzbestecke geteilt hat, sollte sich testen lassen. Sinnvoll ist dann der Labortest, weil er die kürzere Wartezeit hat und weil Beratungsstellen bei dieser Frage niedrigschwellig und ohne Bewertung arbeiten.
Ein praktischer Hinweis zur Durchführung: Führen Sie einen Selbsttest nicht im Rausch durch. Nicht weil das Ergebnis dadurch falsch würde, sondern weil die exakte Einhaltung der Schritte und ein klarer Kopf beim Ablesen entscheidend sind, und weil ein belastendes Ergebnis in nüchternem Zustand besser auszuhalten ist.
Was, wenn der Selbsttest negativ ist?
Ein negativer Selbsttest 12 Wochen nach dem letzten Risikokontakt ist eine belastbare Entwarnung für diesen Kontakt. Er sagt nichts über spätere Situationen aus und schützt nicht vor künftigen Infektionen.
Wenn Sie sich unsicher sind, welche Kontakte überhaupt ein Risiko darstellen, hilft die Übersicht unter Ansteckungsrisiken. Für die Vorbeugung sind Kondome und je nach Lebenssituation die PrEP die wirksamsten Mittel. Liegt der Risikokontakt erst wenige Stunden oder Tage zurück, ist statt eines Tests zuerst die PEP zu klären.
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