Übertragung, Erreger, Erkrankung, Symptome

Übertragung
Das HI-Virus kann übertragen werden, wenn Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Muttermilch mit offenen Hautverletzungen (frische Wunden, Pilzinfektionen, Geschlechtskrankheiten, Ekzeme) oder Schleimhäuten (z.B. Scheide, Penis, Mund, Enddarm) in Kontakt kommt. Speichel, Schweiß, Tränen, Urin und andere Körperausscheidungen enthalten weit weniger Viren und kommen daher für eine Infektion kaum in Betracht.

Erreger
Das HI-Virus befällt vor allem jene Zellen, die für die körpereigene Abwehr von Krankheiten verantwortlich sind: die großen Fresszellen (Makrophagen) und die T-Helfer-Zellen. Es können jedoch auch andere Zellen befallen werden, besonders im Darm und im Gehirn.
Fremde Organismen, die in unseren Körper eindringen, werden von den weißen Blutkörperchen und Antikörpern abgewehrt und zerstört. Die Abwehr wird von ganz bestimmten weißen Blutkörperchen, den T-Helfer Zellen (CD4 Lymphozyten) koordiniert. Doch genau an dieser Stelle greifen auch die HI-Viren an: Sie integrieren ihr eigenes Erbgut in das Erbgut der Wirtszelle, programmieren sie um und benutzen sie zur Vermehrung. Nach einiger Zeit zerstören die neu produzierten Viren diese Wirtszelle und werden ins Blut freigesetzt. Die Zahl der T-Helfer Zellen sinkt kontinuierlich. Dadurch entsteht eine schwere Immunschwäche und der Körper ist nicht mehr fähig, eingedrungene Erreger zu bekämpfen. Da bei einer Zellteilung außerdem die Erbinformation des Virus an beide Tochterzellen weitergegeben wird, verbleibt die Erbinformation lebenslang im Körper des infizierten Menschen und macht die vollständige Heilung bislang unmöglich. Das Immunsystem kann HIV nicht aus dem Körper entfernen, obwohl einige Wochen nach der Infektion Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das eingedrungene Virus gebildet werden.

Symptome
Innerhalb der ersten Wochen nach der Ansteckung mit dem HI-Virus können Symptome auftreten, die an eine Grippe erinnern (Fieber, Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen). Sie vergehen jedoch bald wieder und es schließt sich eine jahrelange (d.h. 8 -10 Jahre), klinisch symptomfreie Phase an. Nur durch genaue Untersuchungen lassen sich die im Körper stattfindenden massiven Auseinandersetzungen mit dem Virus feststellen.

Dieser symptomfreien Zeit folgen die AIDS-Vorstadien, die als Lymphadenopathie-Syndrom (LAS, chronische Lymphknotenschwellungen) und als AIDS-Related Complex (ARC, mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Durchfälle, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und gelegentlich Persönlichkeitsveränderungen) bezeichnet werden.

Im Endstadium der HIV-Infektion, der AIDS-Erkrankung, kommt es zu einem nahezu völligen Zusammenbruch der körpereigenen Abwehr. Erreger, die bei einem gesunden Menschen keine Erkrankung oder nur harmlose Infektionen auslösen, sind für Menschen mit einer fortgeschrittenen Abwehrschwäche lebensgefährlich, weil sich die Erreger ungehindert vermehren können. Viren, Bakterien und Pilze haben nun die Gelegenheit, Infektionen und Erkrankungen auszulösen (so genannte opportunistische Infektionen). Besonders häufig findet man im Zusammenhang mit AIDS das Kaposi-Sarkom, einen sonst sehr seltenen Hautkrebs, bestimmte Formen von Blutkrebs (Lymphome) und Gebärmutterhalskrebs.

Erkrankung
Wenn sich jemand mit HIV angesteckt hat, fühlt er sich noch längere Zeit weitgehend gesund, während das Virus langsam seine Abwehrkräfte zerstört. Nach durchschnittlich 8 bis 10 Jahren ist dieser Schaden im Immunsystem so groß, dass es zusammenbricht. Der Infizierte kann dann Opfer verschiedener Infektionskrankheiten werden, die einem gesunden Menschen in der Regel nichts anhaben können. In diesem Stadium spricht man davon, dass sich der Patient im Vollbild AIDS befindet.

Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (= sog. Dauer der Latenzzeit) hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: vom Virustypen, sowie von der gleichzeitigen Anwesenheit anderer Krankheitserreger, wie z.B. Herpes-Viren, sowie möglicherweise auch von der Virusmenge, mit der der Infizierte angesteckt wurde.
Obwohl die Forschung noch nicht über einen längeren Beobachtungszeitraum verfügt (die Erkrankung wurde erst 1981 entdeckt), muss man davon ausgehen, dass jeder HIV-Infizierte unbehandelt früher oder später auch AIDS entwickelt.